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Deutscher Bundestag                                                   Drucksache 17/381

17. Wahlperiode                                                                                                                      23. 12. 2009

Unterrichtung

durch die Bundesregierung

Bericht der Bundesregierung über die Maßnahmen zur Förderung der Kulturarbeit gemäß § 96 des Bundesvertriebenengesetzes in den Jahren 2007 und 2008

Inhaltsverzeichnis

 

 

Seite

1

Kulturerbe erschließen, um Zukunft zu gestalten 

3

2

Struktur der Bundesförderung nach § 96 BVFG 

4

3

Bundesinstitut fiir Kultur und Geschichte der Deutschen

 

 

im östlichen Europa 

5

4

Museen

6

4.1

Donauschwäbisches Zentralmuseum, Ulm 

6

4.2

Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg 

7

4.3

Pommersches Landesmuseum, Greifswald 

7

4.4

Schlesisches Museum zu Görlitz 

8

4.5

Siebenbürgisches Museum, Gundelsheim 

8

4.6

Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 

9

4.7

Westpreußisches Landesmuseum, Münster 

10

4.8

Weitere museale Einrichtungen 

10

5

Forschungseinrichtungen und Bibliotheken 

11

5.1

Herder-Institut e. V., Marburg 

11

5.2

Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordost

 

 

europa e. V., Lüneburg/Göttingen 

12

5.3

Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südost-

 

 

europas e. V., München 

12

5.4

Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek, Herne 

13

Zugeleitet mit Schreiben des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vom 16. Dezember 2009
gemäß § 96 des Bundesvertriebenengesetzes.

Drucksache 17/381 — 2 —

Deutscher Bundestag -
17. Wahlperiode

 

 

Seite

6

Einrichtungen der Kulturvermittlung 

14

6.1

Deutsches Kulturforum östliches Europa e. V.,
Potsdam 

14

6.2

Adalbert Stifter Verein, München 

15

7

Förderung kultureller Maßnahmen 

15

7.1

Breitenarbeit der Kulturreferentinnen/Kulturreferenten

15

7.2

Weitere kulturelle Breitenarbeit 

16

7.3

Förderung des kulturellen Austausches 

17

8

Förderung im Wissenschaftsbereich 

17

8.1

Forschungen an Universitäten 

17

8.2

Historische Kommissionen/Johann-Gottfried-Herder-
Forschungsrat

18

9

Sicherung und Erhaltung deutscher Bau- und
Kultur-

 

 

denkmale im östlichen Europa

19

10

Verständigungspolitische Arbeit der Vertriebenen 

19

11

Ausblick

20

1 Kulturerbe erschließen, um Zukunft zu gestalten

In ihrem Schlussbericht vom Dezember 2007 kam die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland" des Deutschen  Bundestages zu dem Ergebnis, gerade „auch nach den historischen Umwälzungen in Ost- und Mitteleuropa" sei die Kulturförderung nach § 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) „ein wichtiges kulturpolitisches Handlungsfeld". Diese Bewertung macht sehr deutlich, dass der Auftrag aus § 96 BVFG keineswegs an Aktualität verloren hat. Sein Kernanliegen hat sich im Gegenteil — aus der Perspektive der Entstehungszeit dieser Norm — als durchaus visionär erwiesen. Im Grunde geht es um den Brückenschlag zwischen nationaler kultureller Identität und europäischem Bewusstsein. Das eine bleibt ohne das andere unvollständig und kraftlos. Für die Stärkung eines national wie auch europäisch geprägten kulturellen Selbstverständnisses bieten diejenigen Regionen besondere Chancen, in denen über Jahrhunderte hinweg Deutsche mit anderen Völkern zusammenlebten, in denen Sprachen, Kulturen und Konfessionen aufeinander trafen und die sich deshalb durch ein vielschichtiges Kulturerbe auszeichnen. In diesem Kontext kommt der Beschäftigung mit Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa eine Schlüsselrolle zu.

Einmaliges Erbe der Deutschen

Die deutsche Siedlungs- und Kulturgeschichte im östlichen Europa ist Teil des geschichtlichen Erbes aller Deutschen. Mit ihren Überlieferungen und Kulturlandschaften vermittelt sie uns Wissen und Anschauung über wichtige Wurzeln und Grundlagen der deutschen kulturellen Identität. Die regionale Vielfalt und der kulturelle Reichtum der historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebiete bleiben identitätsstiftend über den in besonderer Weise betroffenen Personenkreis der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler hinaus. Das aus diesen Gebieten hervorgegangene kulturelle Erbe prägt das Selbstbewusstsein der Deutschen bis heute mit und hat einen festen Platz in ihrer Geschichte und Erinnerung. Zugleich steht es in engem Bezug zur Kultur- und Gesellschaftsgeschichte unserer Nachbarn und zur allgemeinen europäischen Entwicklung.

Erinnerungstransfer gewährleisten

Über sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs leben nur noch Wenige mit eigenen Erinnerungen an ihre ehemals deutschen Herkunftsgebiete, etwa an Schlesien, Hinterpommern oder Ostpreußen. Ohne eine bewusste Förderung und Pflege droht dieser Erinnerungsschatz der Erlebnisgeneration verloren zu gehen. Die „gelebte Erinnerung" gilt es kurz- und mittelfristig in andere, dauerhafte Formen der gesellschaftlichen Erinnerung und Wahrnehmung zu überführen. Dieser Erinnerungstransfer stellt die mit der Präsentation und Erforschung der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa befassten Institutionen vor eine große Herausforderung.
Die bisherige kulturelle Breiten- und Bildungsarbeit muss sich zunehmend auf Rezipienten einstellen, die nicht mehr auf eigene Anschauungen zurückgreifen können, sich jedoch aus unterschiedlichen Gründen über die Kulturräume der Deutschen und über ihre eigenen Wurzeln informieren wollen. Das Interesse der Enkelgeneration an ihrer Herkunft wird in den kommenden Jahren zunehmen. Der Begriff der „Heimat" und die damit verbundenen Vorstellungen, gesellschaftlichen Phänomene und Sehnsüchte stehen im Mittelpunkt öffentlichen und medialen Interesses sowie zunehmend auch wissenschaftlicher Diskurse. Dieses Interesse gilt es aufzugreifen — sowohl in der kulturellen Bildung als auch bei der Schwerpunktsetzung in Wissenschaft und Forschung.

Verbindendes Kulturerbe als Chance für Europa

Die Bedingungen für grenzüberschreitende Kooperationen in Bezug auf das gemeinsam zu erschließende Kulturerbe sind heute günstig wie nie zuvor. Zwei Jahrzehnte nach der politischen Öffnung des östlichen Europas ist die Erweiterung der Europäischen Union (EU) weit vorangeschritten_ 2004 und 2007 sind zehn östliche Nachbarstaaten der EU beigetreten. Dies eröffnet die Chance, an Gemeinsames anzuknüpfen und die zwischenzeitlich für rund 50 Jahre weitgehend gesondert voneinander bestehenden Erinnerungswelten mit Respekt vor den Perspektiven anderer, aber im konstruktiven Miteinander aufzuarbeiten. Die fast ein Jahrtausend währende Kulturgeschichte der Deutschen im östlichen Europa sowie ihre Wechselwirkung mit anderen Kulturen bieten dazu vielfältige Ansätze. Es geht um ein Vermächtnis, das wir mit unseren Nachbarvölkern teilen, einen Anknüpfungspunkt für interethnische Beziehungen und interkulturelle Begegnungen.

In diesem Zusammenhang erhält das Kulturerbe der Deutschen im östlichen Europa eine kulturelle und gesellschaftliche Brückenfunktion. Die Zusammenarbeit mit den Staaten Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas hat auf allen Feldern der Kultur und der Wissenschaft eine hohe Intensität und Qualität erreicht. Die heutigen Bewohner identifizieren sich zunehmend auch mit den deutschen Anteilen der Vergangenheit ihrer Region, ihrer Stadt, ihrer Gemeinde. Wissenschafts-, Kultur- und Bildungseinrichtungen vor Ort nehmen sich dieses kulturellen Reichtums an. In vielen Fällen bemühen sich ehemalige und heutige Bewohner gemeinsam um den Erhalt von Kulturdenkmälern, die auf diese Weise zu Symbolen der Verständigung und Versöhnung werden. All das vertieft den europäischen Einigungsprozess. Der Gesetzesauftrag aus § 96 BVFG erhält dadurch eine neue Aktualität und Tragweite.

Flucht und Vertreibung aufarbeiten

Die kooperative Aufarbeitung der Geschichte bleibt eine vielgestaltige Herausforderung. Wir Deutschen setzen uns ebenso wie unsere europäischen Nachbarn mit Nationalsozialismus und Totalitarismus, Zweitem Weltkrieg, Flucht, Vertreibung und Zwangsaussiedlung auseinander. Dies geschieht zunehmend auch nationenübergreifend und entfaltet dadurch eine neue gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Relevanz. Der Bund stellt sich seiner Verantwortung für die uneingeschränkte Aufarbeitung des nationalsozialistischen Terrorregimes, aus dem der Zweite Weltkrieg sowie Flucht und Vertreibung erwuchsen. Vor diesem Hintergrund hatte sich die Bundesregierung das im Koalitionsvertrag 2005 formulierte Ziel gesetzt, „an das Unrecht von Vertreibungen zu erinnern und Vertreibung für immer zu ächten", und das Gesetz vorgelegt, mit dem der Deutsche Bundestag im Dezember 2008 die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung" geschaffen hat. Diese Einrichtung hat — in der Trägerschaft der Stiftung Deutsches Historisches Museum — mittlerweile ihre Arbeit aufgenommen. Ziel ist die Schaffung eines Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrums, das als „Ort lebendigen Gedächtnisses" wirken soll.

Forschungskompetenz erhalten

Die Kultur- und Wissenschaftsförderung nach § 96 BVFG bleibt ein wichtiger kulturpolitischer Auftrag. Hier haben sich seit dem Umbruch im östlichen Europa sowohl neue Herausforderungen als auch erheblich verbesserte Forschungsmöglichkeiten ergeben. Die gemeinsame Aufarbeitung befindet sich zwei Jahrzehnte nach der politischen Öffnung der osteuropäischen Staaten noch in den Anfängen. Erst allmählich werden die nationalen Erinnerungskulturen durch den Ansatz einer gemeinsamen Erinnerungskultur ergänzt, Erinnerungsorte in ihren national unterschiedlichen Bedeutungen in wissenschaftlicher Auseinandersetzung betrachtet und durch unterschiedliche Nationen und Ethnien geprägte Kulturlandschaften in dieser Komplexität erforscht. In diesem wichtigen Prozess gilt es, spezifischen wissenschaftlichen Sachverstand zu erhalten und auszubauen, das Interesse junger Wissenschaftler an der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa zu fördern und entsprechende Forschungsschwerpunkte zu setzen. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Wissenschaftsstandort Deutschland in diesem Bereich ein qualifizierter Ansprechpartner bleibt und das geschichtliche Erbe im europäischen Dialog erforscht werden kann.

Aussiedler

Die Geschichte und Kultur Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas ist mitgeprägt von deutschen Minderheiten, die über Jahrhunderte in Siedlungsgebieten von Ungarn und Rumänien bis nach Russland und Kasachstan lebten oder heute noch leben. Ihre kulturellen Leistungen gilt es zu bewahren. In Deutschland leben etwa 4,5 Millionen Aussiedler und Spätaussiedler; davon sind allein in den letzten 20 Jahren mehr als drei Millionen nach Deutschland gekommen, unter ihnen viele junge Menschen. Ihr Selbstbewusstsein zu stärken, wozu das Wissen um die kulturellen Wurzeln einen wertvollen Beitrag leisten kann, ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration in Deutschland.

Kulturauftrag für die Zukunft

Die Pflege, Dokumentation, Erforschung und Vermittlung der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa ist eine Aufgabe, der Deutschland als Kulturnation auf Dauer verpflichtet ist. Die Verpflichtung besteht auch gegenüber den östlichen Nachbarstaaten, die ihrerseits die regionale Kulturgeschichte erforschen und ihr Kulturbewusstsein um Aspekte ergänzen, die aufgrund des politischen Systems über lange Zeit zwangsweise ausgeblendet blieben. In der Erschließung der Kultur und Geschichte der Deutschen als Teil des gemeinsamen kulturellen Erbes liegt ein wirkungsvoller Ansatz sowohl für  nationale Identitätsbildung wie für europäische Integration. Dies verleiht der Kultur- und Wissenschaftsförderung im Bereich des § 96 BVFG eine in die Zukunft weisende politische Relevanz.

2 Struktur der Bundesförderung nach § 96 BVFG

Laut § 96 BVFG haben Bund und Länder das Kulturgut der historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebiete im Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten. Insbesondere sind Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Wissenschaft und Forschung zu fördern_ Dieser Gesetzesauftrag wird seitens des Bundes vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wahrgenommen. Er wird dabei vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) unterstützt.
Die Kulturförderung des Bundes ist darauf ausgerichtet, dass die bedeutsamen historischen Provinzen und Siedlungsgebiete vertreten sind und durch museale Präsentationen, wissenschaftliche Forschungen, bibliothekarische Einrichtungen sowie in der kulturellen Bildung und Breitenarbeit und auch im Wege der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit erschlossen werden. Darüber hinaus dient sie der Erhaltung deutschen Kulturguts in den östlichen Nachbarländern; dazu gehören die Restaurierung von Kulturdenkmälern, die Sicherung von Bibliotheken und Archiven vor Ort sowie weitere Maßnahmen zur Bewahrung beweglichen Kulturguts.

Die museale Präsentation deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa erfolgt durch die kontinuierliche Förderung von sechs historisch-landeskundlich ausgerichteten Museen: das Donauschwäbische Zentralmuseum (Ulm), das Ostpreußische Landesmuseum (Lüneburg), das Pommersche Landesmuseum (Greifswald), das Schlesische Museum zu Görlitz, das Siebenbürgische Museum (Gundelsheim) und das Westpreußische Landesmuseum (Münster). Als überregional ausgerichtetes zentrales Kunstmuseum wirkt die Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie (Regensburg). Mit Haus Schlesien (Königswinter) und dem Kulturzentrum Ostpreußen (Ellingen) fördert der Bund weitere Einrichtungen musealen Charakters.

Vom Bund im Bereich des § 96 BVFG dauerhaft geförderte wissenschaftliche Forschungseinrichtungen sind das gemeinsam mit den Bundesländern geförderte Herder-Institut e. V. (Marburg), das Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e. V. (Lüneburg und Göttingen) und das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e.  V. (München).

Im Bereich der kulturellen Bildung und Breitenarbeit werden das regional übergreifend tätige Deutsche Kulturforum östliches Europa e. V. (Potsdam) und der regional auf Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien ausgerichtete Adalbert Stifter Verein (München) gefördert. Darüber hinaus finanziert der Bund die Arbeit der bei den Regionalmuseen und beim Adalbert Stifter Verein organisatorisch angesiedelten sechs Kulturreferentinnen und Kulturreferenten.

Die Versorgung mit aktueller und älterer, insbesondere landeskundlicher Fachliteratur ist für eine Befassung mit der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa unverzichtbar. Als bibliothekarische Zentraleinrichtung ist die überwiegend vom Bund finanzierte Stiftung Martin-- Opitz-Bibliothek (Herne) für die Sammlung und die Versorgung mit in- und ausländischem Schrifttum zu allen deutschen Ost- und Siedlungsgebieten tätig.

Darüber hinaus förderte der BKM auf Antrag Maßnahmen der kulturellen Breitenarbeit, den kulturellen Austausch, wissenschaftliche Forschungen und trug zur Sicherung und Erhaltung deutscher Bau- und Kulturdenkmale bei.

Die durch den BKM für die Förderung kultureller Maßnahmen im Rahmen des § 96 BVFG bewilligten Mittel betrugen 2007 insgesamt rund 14,032 Mio. Euro, 2008 waren es 14,012 Mio. Euro. Den Anstieg auf dieses Niveau hatte der BKM bereits für das Haushaltsjahr 2006 erzielen können. Die Erhöhung hat sich im Berichtszeitraum weiter fruchtbar ausgewirkt, indem insbesondere die Arbeit und Position der Kulturreferenten und deren gutes Zusammenwirken mit dem Vertriebenenbereich gestärkt werden konnte.

3 Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

Das BKGE mit Sitz in Oldenburg ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BKM und zugleich An-Institut der Universität Oldenburg. Das Haushaltsvolumen des Instituts betrug im Jahr 2007 915 000 Euro, im Jahr 2008 876 000 Euro.

Auftrag: Das BKGE berät und unterstützt die Bundesregierung in allen die Durchführung des § 96 BVFG betreffenden Angelegenheiten. Als Grundlage und Voraussetzung dieses Auftrags führt das BKGE eigene Forschungen und Dokumentationen durch und koordiniert wissenschaftliche Vorhaben im Auftrag der Bundesregierung. Im Unterschied zu anderen, regional und fachlich spezialisierten wissenschaftlichen Einrichtungen arbeitet es geographisch übergreifend und ist multidisziplinär ausgerichtet. Seine Wissenschaftsbereiche Geschichte, Literatur und Sprache, Volkskunde sowie Kunstgeschichte befassen sich mit Kultur und Geschichte der historischen deutschen Ostprovinzen sowie mit den Siedlungsgebieten der Deutschen in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa. Mit seinen breit gefächerten wissenschaftlichen Aktivitäten trägt das Bundesinstitut zur nationalen und europäischen Kooperation und Vernetzung im Sinne der Förderkonzeption der Bundesregierung bei. Schwerpunkte im Berichtszeitraum bildeten unter anderem die im Fachdiskurs besonders relevanten Themen „Wissenschaftsgeschichte", „Erinnerungskultur" und „Kulturelle Interferenzen". 2007 wurde das BKGE im Auftrag der Bundesregierung vom Wissenschaftsrat umfassend evaluiert. In Umsetzung des positiven Evaluierungsergebnisses wurde das Institut neu strukturiert und inhaltlich vor allem im Hinblick auf eine Verstärkung zeitgeschichtlicher und volkskundlich-ethnologischer Akzente modifiziert.

Das BKGE hat seine umfassende Beratungs- und Unterstützungstätigkeit gegenüber dem BKM im Hinblick auf die Umsetzung des § 96 BVFG kontinuierlich fortgesetzt. Schwerpunkte lagen in der Begleitung der institutionellen und der Projektförderung durch den BKM in den Bereichen kulturelle Breitenarbeit, Wissenschaft, museale Präsentation, Denkmalpflege und Publikationen. Diese bestand unter anderem in der Prüfung von Tätigkeitsberichten und Arbeitsplänen, in wissenschaftlich fundierten Stellungnahmen zu Projektanträgen sowie in der Erfolgskontrolle abgeschlossener Projekte. Die gutachterliche Tätigkeit bezog sich dabei insbesondere auf die Durchführung von Tagungen, Konferenzen und Symposien sowie auf die fachliche Prüfung von Typoskripten in den Bereichen Geschichte, Literatur/Sprache, Volkskunde/Ethnologie, Musik, Kunst/Kunstgeschichte und Denkmalpflege. 2007 arbeitete das BKGE insgesamt 540 Stellungnahmen aus, 2008 waren es 593 Stellungnahmen.

Die Tätigkeit des Bundesinstituts erstreckte sich auch auf die fachliche Vorbereitung von kulturpolitischen Gesprächen des BKM auf internationaler und auf nationaler Ebene. Angehörige des Bundesinstituts begleiteten den BKM auf mehrere Auslandsreisen in wissenschaftlich beratender Funktion. Bei der Beantwortung zahlreicher aus Politik und Gesellschaft an den BKM gerichteter Anfragen war das BKGE — gestützt auf eigene Erhebungen und Dokumentationen — beratend tätig. Dabei wurden auch viele Hinweise im Zusammenhang mit Fragen zur grundsätzlichen Bedeutung, Aktualität und künftigen Entwicklung der Förderung auf der Grundlage von § 96 BVFG gegeben_ In Wahrnehmung der Beratungs- und Unterstützungstätigkeit wirkte das BKGE zudem an der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen mit, etwa in Zusammenarbeit mit dem BKM und dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. an einer Lesung rumäniendeutscher Autorinnen und Autoren im Bundeskanzleramt.

Auf Bitten des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und in Abstimmung mit dem BKM hat das BKGE fachliche Unterstützung bei der inhaltlichen Konzeption der internationalen Tagung „Zwei Jahrzehnte Politik für Aussiedler und nationale Minderheiten" geleistet, die vom 3. bis 4. September 2008 in Berlin stattfand; die Publikation der Tagungsergebnisse erfolgte in der Schriftenreihe des Bundesinstituts.

Im Folgenden werden Einzelprojekte des Bundesinstituts in den Jahren 2007 und 2008 exemplarisch vorgestellt:
Archivalien- und Quellenerschließung: Ein Schwerpunkt der Arbeit des BKGE ist die Erschließung von Archivalien und Quellen. Im Berichtszeitraum wurden in Kooperation mit anderen Einrichtungen Archivführer zur Geschichte Ostbrandenburgs (2007) und Pommerns (2008), jeweils zu ihren Beständen bis 1945, publiziert. Die Herausgabe eines weiteren Archivwegweisers zur Kultur und Geschichte der Deutschen in Ungarn wurde in Angriff genommen.

2008 wurde in Kooperation mit der Universität Kiel, weiteren Einrichtungen und Initiativen sowie in Abstimmung mit entsprechenden regional ausgerichteten Vorhaben in den Bundesländern das Projekt „Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland" begonnen. Im Rahmen des Projekts wird erstmals das in etwa 500 Sammlungen in Deutschland enthaltene „ostdeutsche" Kulturgut dokumentiert und wissenschaftlich umfassend aufgearbeitet. Eine Online-Datenbank zu den Heimatsammlungen befindet sich im Aufbau (http://www.bkge.de/heirnatsammlungen). Im Ergebnis wird die wohl bislang umfassendste Dokumentation und Präsentation von Kulturgut der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler außerhalb der Landesmuseen vorliegen.

Zeitgeschichte: Im Bereich Zeitgeschichte ist das Werk „Minderheiten in Bedrängnis — Sowjetische Politik gegenüber Deutschen, Polen und anderen Diaspora-Nationalitäten 1917-1938" hervorzuheben. Die hier historisch abgehandelte Thematik wurde durch Begleitung der o. g. Tagung „Zwei Jahrzehnte Politik für Aussiedler und nationale Minderheiten" mit aktuellem Bezug zu Fragen der Aussiedlerintegration fortgesetzt.

Europäisches Netzwerk Erinnerung und Solidarität: Das BKGE betreut das von der Bundesregierung initiierte und in Zusammenarbeit mit Polen, der Slowakei und Ungarn aufgebaute Netzwerk auf wissenschaftlicher Ebene. Im Berichtszeitraum wurde beispielsweise im Königlichen Schloss zu Warschau die Tagung „Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa — Erfahrungen der Vergangenheit und Perspektiven" veranstaltet, an der Wissenschaftler aus elf Ländern mitwirkten.

Akademische Nachwuchsförderung/Immanuel-Kant-Stipendium: Das Bundesinstitut betreut und verwaltet die vom BKM dotierten Immanuel-Kant-Stipendien zur Erforschung von Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa und der damit verbundenen Beziehungen zu den Nachbarvölkern. Es werden gezielt hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftler gefördert, die Dissertationen über einschlägige Themen bearbeiten. Diese reichen von der Geschichte der Ostsiedlung und des Landesausbaus im Mittelalter bis zur gegenwärtigen Rezeption Königsbergs im heutigen Kaliningrad, von Fragen der Architekturgeschichte bis zur Dialektforschung. Durch das Kant-Stipendium gefördert werden auch Arbeiten zur Erforschung von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung am Ende des und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie über die Ankunft und Integration im Westen. In Verbindung mit den jährlichen Stipendiatentagungen und den vorliegenden Ergebnissen hat das Kant-Stipendium internationales Renommee erreicht. 2007 und 2008 vergab der Bund jeweils sechs Stipendien. Im Zuge des 20-jährigen Bestehens des Immanuel-Kant-Stipendiums wurde 2007 eine Jubiläumstagung durchgeführt und eine Publikation herausgegeben, in welcher die bisherige Förderung dargestellt und bilanziert wird.

Internationale Kooperationen: Die meisten wissenschaftlichen Vorhaben des BKGE sind Kooperationsprojekte mit Einrichtungen in den östlichen Nachbarländern. 2007 erschien in Kooperation mit der Universität Szeged die Publikation „Buch- und Wissenstransfer in Ostmittel- und Südosteuropa in der frühen Neuzeit". 2008 fand eine internationale Tagung zur „Ethnologischen Nahrungsforschung im östlichen Europa" statt. Im Rahmen des gemeinsam mit dem Architekturmuseum in Breslau/Wroc³aw durchgeführten Forschungsvorhabens zur Architekturgeschichte wurde der Band „Liegnitz — die andere Moderne" (deutsch und polnisch) publiziert. An der Veröffentlichung „Ostpreußen, Westpreußen, Danzig. Eine historische Literaturlandschaft" (2007) wirkten Autoren aus Polen und Litauen mit.

Internetpräsenz: Auf der Homepage des Bundesinstituts (http://www.bkge.de) stehen unterschiedliche Dokumentationen zur Verfügung, die einen Überblick über die Forschungslandschaft im In- und Ausland bieten. Kontinuierlich aktualisiert wird beispielsweise der „Wissenschaftliche Informationsdienst" (W1D), eine ca. 2 500 Titel umfassende internationale Dokumentation aktueller Forschungen zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Ein Schwerpunkt liegt auf Online-Publikationen, die im Durchschnitt von ca. 16 000 Nutzern pro Monat aufgerufen werden. Die meisten Internetzugriffe betreffen das Projekt „Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland" und die Publikation „Wegweiser durch die Bestände des Staatsarchivs Stettin bis 1945".

4 Museen

Museen sind Speicher der Erinnerung. Da ihre Hauptaufgaben in der publikumswirksamen Präsentation ebenso wie in der Erforschung und Bewahrung des kulturellen Erbes bestehen, nehmen sie eine Schlüsselfunktion zwischen Wissenschaft und Wissensvermittlung ein. Den gemeinsam von Bund und Ländern auf der Grundlage von § 96 BVFG geförderten Museen kommt innerhalb der bundesdeutschen Museumslandschaft eine besondere Rolle zu, weil sie das Kulturerbe der historischen Ostprovinzen sowie der Siedlungsgebiete der Deutschen im östlichen Europa erfahrbar machen. Dabei geht es nicht nur um nostalgische Rückblicke: Die in den letzten 20 Jahren gewachsene, intensive Kooperation mit Partnereinrichtungen im östlichen Europa macht die Museen zudem zu Foren des Dialogs zwischen den Nachbarn in Europa einerseits und zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft andererseits.

4.1 Donauschwäbisches Zentralmuseum, Ulm

Bundesförderung: Das Donauschwäbische Zentralmuseum (DZM) wird zu gleichen Teilen vom Bund und vom Land Baden-Württemberg gefördert; die Miet- und Betriebskosten werden von der Stadt Ulm getragen. Die Bundesförderung betrug 2007 298 000 Euro, 2008 lag sie annähernd gleich bei 296 000 Euro.

Aufgaben: Das Museum bewahrt die kulturelle Tradition und das Kulturgut der Donauschwaben, indem es Geschichte, Kultur und Landschaften umfassend dokumentiert, Kulturgut sammelt und präsentiert sowie der landes- und volkskundlichen Forschung über die donauschwäbischen Herkunftsgebiete zugänglich macht. Zugleich soll das Wissen über die südöstlichen Nachbarn verbreitert und vertieft werden. Seit 2007 veranstaltet das DZM jährlich Tagungen für Betreuer deutscher Heimatsammlungen zwecks Vernetzung und Kulturgutsicherung.

Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum besuchten 21 433 Interessierte die Dauer- und Sonderausstellungen des DZM. Die auswärts gezeigten Wanderausstellungen erreichten 177 888 Besucher.

Ausgewählte Einzelprojekte: Der Themenschwerpunkt 2007 orientierte sich am EU-Beitritt Rumäniens; 2008 lautete er „Heimat" in Verbindung mit den baden-württembergischen Heimattagen in Ulm. Wichtige Ausstellungen im Berichtszeitraum waren: „Rumänien — Ein europäisches Kulturerbe" (in Ulm und an 13 weiteren Orten in Deutschland, unter anderem im Auswärtigen Amt); „Heimat im Koffer — Flüchtlinge und Vertriebene in der Nachkriegszeit" (machte erstmals den Sammlungsbestand zum Komplex „Flucht — Vertreibung — Integration" öffentlich zugänglich).

Das DZM unterhielt folgende, teils mehrsprachige Wanderausstellungen im In- und Ausland: „Deutsche in Ungarn — Ungarn in Deutschland. Europäische Lebensläufe", eine deutsch-ungarische Koproduktion (gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, mit sieben Ausstellungsorten in Ungarn, unter anderem im Ungarischen Nationalmuseum); „Donauschwäbische Kultur und Geschichte" (gezeigt in Serbien und Kroatien); „Unser deutsches Theater. 425 Jahre deutsches Theater Hermannstadt" (Kooperation mit dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen; gezeigt in Rumänien und Serbien).

Die Sammlungen des DZM wurden 2007 um den von der ungarischen Adelsfamilie Esterhazy gestifteten Schmuck erweitert. Im gleichen Jahr erhielt das Museum den umfangreichen Nachlass von Josef de Ponte (1922 bis 2006), einem aus Ungarn stammenden und später in Baden-Württemberg ansässigen Maler und Grafiker.

4.2 Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg

Bundesförderung: Der Bund unterstützt das Ostpreußische Landesmuseum mit rund zwei Dritteln der jährlichen Fördersumme. 2007 und 2008 waren dies 416 000 Euro bzw. 424 000 Euro.

Aufgaben: Das Ostpreußische Landesmuseum sammelt, bewahrt und erforscht das Kulturgut und vermittelt die jahrhundertealte Geschichte Ostpreußens als Teil der deutschen und europäischen Geschichte. Zunehmend arbeitet es dabei mit polnischen, russischen und litauischen sowie - im Hinblick auf die geplante Erweiterung des Museums um eine deutschbaltische Abteilung - bereits mit estnischen und lettischen Museen und Kulturinstitutionen zusammen.

Besucherzahlen: 2007/08 zählte das Museum rund 42 500 Besucher.

Ausgewählte Einzelprojekte: 2007 zeigte das Ostpreußische Landesmuseum sechs neue Wechselausstellungen. Große Resonanz erhielt insbesondere die Sonderausstellung „275 Jahre Trakehnen. Mythos im Zeichen der Elchschaufel" über die bis heute bedeutsame Pferdezucht ostpreußischer Herkunft. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Pferdemuseum in Verden/Aller gestaltet und an beiden Orten präsentiert. Mit der interaktiven „hands an"-Ausstellung „Mathematik zum Anfassen - In Erinnerung an den ostpreußischen Mathematiker David Hilbert (1862 bis 1943)" in Zusammenarbeit mit dem Mathematikum Gießen beschritt das Museum neue Wege. Mit der Präsentation bislang unbekannter Werke der Schwestern Anna und Margarete Sinnhuber unter dem Titel „Zwei Malerinnen am Kurischen Haff' trug das Museum zur Erforschung der renommierten Künstlerkolonie Nidden auf der Kurischen Nehrung  bei.

2008 wurden sieben neue Wechselausstellungen präsentiert, dazu zwei Ausstellungen in der Bezugsregion Ostpreußen. Hervorzuheben ist die Ausstellung „Schrecken der Flucht über das Eis - Grafikzyklus des Malers Gerhard Bondzin". Die das eigene Erleben wiedergebenden Grafiken des aus Mohrungen/Ostpreußen stammenden Künstlers (Jg. 1930, Kunstakademie Dresden) erfuhren ein großes Publikumsecho. Mit der Ausstellung „Heydekrug und Holstein - Landschaften von Horst Skodlerrak (1920 bis 2001)" erfüllte das Museum zugleich einen Wunsch des Partnermuseums in Šilutė (Litauen), das die Ausstellung übernahm. Einem lange übersehenen Künstler galt die Präsentation „Erich Gindler - Maler aus Königsberg"; sie ging nachfolgend als Leihausstellung nach Duisburg (Museum Stadt Königsberg).

34 weitere Veranstaltungen (Lesungen, Vorträge, museumspädagogische Angebote usw.) ergänzten im Berichtszeitraum die Wechselausstellungen des Museums.

4.3 Pommersches Landesmuseum, Greifswald

Bundesförderung: Das Museum wird zur Hälfte vom Bund gefördert, weitere Zuwendungsgeber sind das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Stadt Greifswald. Die Fördermittel des Bundes betrugen 2007 503 000 Euro und lagen 2008 bei 513 000 Euro.

Aufgaben: Das Pommersche Landesmuseum sammelt, pflegt, erforscht und präsentiert pommersches Kulturgut. Darüber hinaus leistet das Museum einen Beitrag zur Verständigung mit Polen und lässt die historischen Verbindungen Pommerns zu den Anrainerstaaten der Ostsee sichtbar und lebendig werden.

Eine erhebliche Bereicherung für die Arbeit des Museums bedeutete das im Berichtszeitraum beginnende Engagement der Botschaften Polens und Schwedens im Stiftungsrat.

Besucherzahlen: 2007/08 besuchten rund 110 000 Gäste das Museum.

Ausgewählte Einzelprojekte: Zu den erfolgreichsten Sonderausstellungen gehörte die zusammen mit dem Staatlichen Museum zu Schwerin konzipierte Schau über den Deutschamerikaner Lyonel Feininger (1871 bis 1956). Die Ausstellung lockte 30 000 Besucher an; zu ihrem nachhaltigen Erfolg trugen unter anderem Exkursionen zu den Entstehungsorten der Bilder Feiningers in Vorpommern und an der Ostseeküste sowie ein dem Künstler gewidmetes deutsch-polnisches Jugendprojekt bei.

Anlässlich des 200. Geburtstages des Stettiner Biedermeier-Malers A. Ludwig Most (1807 bis  1883) organisierte das Landesmuseum in Zusammenarbeit mit dem Stettiner Nationalmuseum Ausstellungen in Stettin/Szczecin und Greifswald sowie ein deutsch-polnisches Symposium.

Darüber hinaus konnte in Kooperation mit dem „Schloss der Pommerschen Herzöge" (Stettin) und dem Norddeutschen Rundfunk die Ausstellung „Weite und Licht" unter anderem mit Werken des Literaturnobelpreisträgers, Malers und Bildhauers Günter Grass in Stettin/Szczecin präsentiert werden. Außerdem erschien in Gemeinschaftsproduktion mit dem „Schloss der Pommerschen Herzöge" der Bildband „Auf den Spuren pommerscher Herzöge". Mit Unterstützung des Bundes wurde der „Archivführer zur Geschichte Pommerns bis 1945" abgeschlossen und veröffentlicht.

2008 griff das Museum in der Ausstellung „Die Mütter der Solidarnosc 6" mit Fotos und Texten eines polnischen Künstlers ein Thema der jüngsten Zeitgeschichte auf. Während der deutsch- polnischen Kulturwoche 2008 wurden ein Vortrag über Stettin/Szczecin nach 1945 gehalten, eine Podiumsdiskussion veranstaltet und der Film „Meines Vaters Land" (D/PL, 2008) gezeigt.

4.4 Schlesisches Museum zu Görlitz

Bundesförderung: Das Museum wird zu jeweils gleichen Teilen vom Bund und vom Freistaat Sachsen gefördert. 2007 betrug die Förderung des Bundes 366 000 Euro, 2008 408 000 Euro.

Aufgaben: Das 2006 eröffnete Museum sammelt, erhält und präsentiert dingliches Kulturgut aus Schlesien mit dem Ziel, Vergangenheit und Gegenwart der gesamten Kulturregion dem deutschen und internationalen Publikum bekannt zu machen. Dabei wird der Zusammenarbeit mit Hochschulinstituten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland und Polen ein großer Stellenwert eingeräumt. Das Museum setzt die traditionelle Kulturarbeit der schlesischen Heimatvertriebenen mit eigenen Schwerpunktsetzungen fort, etwa mit der Sicherung schlesischer Heimatstuben.

Besucherzahlen: 2007 und 2008 zählte das Schlesische Museum zu Görlitz rund 46 000 Besucher. Wanderausstellungen und Veranstaltungen außerhalb von Görlitz erreichten 2007 darüber hinaus 7 300 Besucher, 2008 stieg die Zahl der Interessierten auf 25 700, davon rund 19 000 in Polen und Tschechien.

Ausgewählte Einzelprojekte: 2007 und 2008 zeigte das Schlesische Museum elf Ausstellungen, von denen als wichtigste zu nennen sind:

„Zeit-Reisen. Historische Schlesien-Ansichten aus der Graphiksammlung Haselbach". Die Ausstellung präsentierte die Ergebnisse eines in internationaler Kooperation durchgeführten Projektes, das im Folgenden unter „4.6 Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie" ausführlicher dargestellt wird. Die Fotoausstellung „Oberschlesien im Objektiv" (in Kooperation mit dem Muzeum w Gliwicach, Gleiwitz/Gliwice) zeigte ein facettenreiches Bild des Lebens in Oberschlesien von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre. Unter dem Titel „Beste Qualität zu civilen Preisen - schlesisches Porzellan seit 1820" bot das Museum einen umfassenden Überblick über die schlesische Porzellangeschichte unter wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlichen Fragestellungen. Religionsgeschichtliche Aspekte griff die Ausstellung „Auf dem Weg zur Toleranz. 300 Jahre Altranstädter Konvention" auf. Deutschlandweites Echo fand die Schau „Verbotene Kunst. Bilder von Karl Schmidt-Rottluff für Helmuth James von Moltke" mit erstmals gezeigten Aquarellen des in der NS-Zeit verfemten Künstlers, die er 1942 bei einem Aufenthalt in Kreisau malte. Ergänzt wurde das Museumsprogramm durch Aktionstage, regionalgeschichtliche Vorlesungszyklen (gemeinsam mit der Hochschule ZittauGörlitz) und thematische Vortragsserien wie die Reihe „Von Schlesien nach Israel" über die Schicksale schlesischer Juden, die in den 1930er Jahren nach Palästina auswanderten.

2007 und 2008 waren Ausstellungen des Schlesischen Museums in Breslau/Wroc³aw (im Architekturmuseum und im Staatsarchiv), in Kattowitz/Katowice (Schlesisches Museum), Gleiwitz/Gliwice (Stadtmuseum), Schweidnitz/Swidnica (Friedenskirche), KreisaulKrzyzowa (Begegnungsstätte), Landeshut/Kamienna Góra (Webereimuseum) und Troppau/Opava (Schlesisches Museum) zu sehen. Von wachsender Bedeutung ist die Zusammenarbeit mit polnischen und tschechischen Kollegen an Themen der schlesischen Geschichte.

4.5 Siebenbürgisches Museum, Gundelsheim

Bundesförderung: 2007 förderte der Bund mit 223 000 Euro; 2008 belief sich die Förderung auf 229 000 Euro.

Aufgaben: Schwerpunkte des Museums sind die Sicherung, Bewahrung, Dokumentation und Präsentation des beweglichen Kulturguts der multiethnischen Gesellschaft Siebenbürgens. Erst im Kontakt mit den anderen Bevölkerungsgruppen ist die spezifische Ausprägung der sie - benbürgisch-sächsischen Kultur fassbar. Dabei wird eine möglichst breit gefächerte Präsentation der Besonderheiten der Kulturlandschaft Siebenbürgen in Deutschland und in Osteuropa angestrebt und durch zunehmend engere Kooperationen mit Museen und anderen Institutionen in Rumänien umgesetzt.

Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum verzeichneten die Dauer- und Sonderausstellungen des Museums 9 683 Besucher, davon 5 671 im Jahr 2008. Die Sonderausstellungen im Ausland erreichten im gleichen Zeitraum rund 14 500 Interessierte.

2007 wurde die Dauerausstellung „Rituale der Gemeinschaft" erweitert. Im Zentrum steht die siebenbürgischsächsische „Nachbarschaft", die eine Grundstruktur für das gesellschaftliche Leben auf dem Lande bot.

Ausgewählte Einzelprojekte: Nach zum Teil restaurierungsintensiven Umbauarbeiten wurden die neuen Sonderausstellungsräume auf Schloss Horneck im Mai 2007 mit einer Gemäldeausstellung des in Wiehl lebenden siebenbürgischen Malers Friedrich von Bömches eingeweiht. Es folgte eine Ausstellung mit Gemälden und Zeichnungen von Katharina Zipser, einer der wichtigsten zeitgenössischen, aus Siebenbürgen stammenden Malerinnen. 2008 zeigte das Museum eine dokumentarische Ausstellung über den Mundartdichter Viktor Kästner (1826 bis 1857) und eine Ausstellung über die Innenausstattung evangelischer Kirchen Siebenbürgens in historischer Perspektive („Kirchenraum im Wandel").

Im Rahmen der Veranstaltungen zur Europäischen Kulturhauptstadt Hermannstadt/Sibiu stießen 2007 die Ausstellungen „Kirchenraum im Wandel" und „Wohnkultur: Bemalte Möbel aus Siebenbürgen" auf großes Interesse. Ferner wirkte das Museum an zwei Ausstellungen des Brukenthal-Museums maßgeblich mit: „Imperium an der Peripherie. Österreichische Spuren in Siebenbürgen" und „Siebenbürgische Maler in europäischen  Zentren".

2008 beteiligte sich das Siebenbürgische Museum an zwei Kunstausstellungen des Kreismuseums in Kronstadt/ Brasov: „Hans Eder" (einer der wichtigsten Künstler der Klassischen Moderne in Siebenbürgen) und „Vergessene Kronstädter Künstler".

4.6 Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg

Bundesförderung: Die Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie wird rund zur Hälfte vom Bund unterstützt, darüber hinaus fördern der Freistaat Bayern und die Stadt Regensburg. Die Förderung des Bundes belief sich 2007 und 2008 auf jeweils 554 000 Euro.

Aufgaben: Das Kunstforum eröffnet mit seiner bundesweit einzigartigen Spezialsammlung den Blick auf deutsche Kunst im östlichen Europa von der Romantik bis zur Gegenwart. 15 Themenräume sind kunsthistorischen Epochen (Sezessionskunst, Expressionismus, Informel), künstlerischen Gattungen (Landschaft, Porträt, Geschichte) und herausragenden Künstlerpersönlichkeiten (unter anderem Lovis Corinth, Adolf Hölzel, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz, Sigmar Polke und Katharina Sieverding) gewidmet. Die unter dem Leitmotiv „Erinnerung und Vision" 2007 und 2008 vollzogene Neukonzeption ging einher mit einer neuen Bildungsprogrammatik. Weiterentwickelt wurde auch das museumspädagogische Programm des Hauses mit besonderen Angeboten für Schulen, für behinderte und chronisch kranke Kinder (in Kooperationmit der Stiftung KreBeKi/Stiftung für krebskranke und behinderte Kinder in Bayern) sowie für Senioren.

Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum waren rund 68 700 Besucher im Kunstforum zu Gast, davon allein 2008 über 39000.

Ausgewählte Einzelprojekte: 2007 stellte das Kunstforum mit der durch den Bund geförderten Sonderausstellung „Otto Mueller. Verlorenes Paradies" erstmalig im deutschsprachigen musealen Bereich das nahezu vollständige druckgrafische Werk des namhaften Expressionisten, Brücke- Künstlers und Breslauer Akademieprofessors aus.

Gemeinsam mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz und dem Muzeurn Architektury we Wroc³awiu (Breslau) unter der Federführung des Herder-Instituts Marburg wirkte das Kunstforum an einem Kooperationsprojekt mit, das im Frühjahr 2007 zur Veröffentlichung kam (Publikation „Zeit Reisen", deutsch/polnisch, Datenbank und Ausstellungsreihe). Mit der wissenschaftlichen Bearbeitung, Digitalisierung und virtuellen Zusammenführung des weltweit größten Bestandes an historischen Schlesien-Ansichten - der im Kunstforum und im Schlesischen Museum bewahrten Sammlung Haselbach - erhalten Forschung, Denkmalpflege und Öffentlichkeit Zugang zu einem einzigartigen kulturhistorischen Bildfundus von europäischer Bedeutung.

Ende 2007 eröffnete das Kunstforum die erste monografische Ausstellung über Moriz Melzer (1877 Albendorf/Belá. u Jevicka - 1966 Berlin), einen Einzelgänger im deutschen Expressionismus. Die Ausstellung verstand sich als eine kunsthistorische Wiederentdeckung des Malers und Graphikers. Seit 2007 präsentiert das Kunstforum unter dem neuen Ausstellungsformat „Labor" Einzelpositionen junger internationaler Kunst in Kooperation mit Museumspartnern im In- und Ausland. Das neue Format begann 2007 mit den Präsentationen der Künstler Christian Tomaszewski (Danzig/Gdansk) und Julia Schmidt (Leipzig) und fand 2008 mit dem 12. Marler Video-Kunst-Preis „Preisträger und Kandidaten" seine Fortsetzung.

Als einzige Station in Deutschland zeigte das Kunstforum im Frühjahr 2008 unter dem Titel „Essl Award — Junge Kunst aus Mittel- und Südosteuropa" Werke aller zehn Preisträger des Jahres 2007 dieses international bedeutenden Kunstpreises, der vom renommierten österreichischen „Museum Essl — Kunst der Gegenwart" in Zusammenarbeit mit den fünf Kunstakademien der teilnehmenden Länder (in Bratislava, Budapest, Ljubljana, Prag und Zagreb) verliehen wird.

Im Juni 2008 eröffnete im Kunstforum die Retrospektive der Künstlerin Clara Siewert, einer Weggefährtin und Freundin von Käthe Kollwitz. Der im Zweijahresrhythmus durch die KünstlerGilde Esslingen und das Kunstforum Ostdeutsche Galerie zu vergebende Lovis CorinthPreis, der zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zur
ostmitteleuropäischen Kultur würdigt, ging im Jahr 2008 an Timm Rautert (geb. 1941 in Tuchel/Westpreußen) als dem ersten Fotografen in der 30-jährigen Geschichte der Auszeichnung.

Das herausragende Ereignis 2008 war die Eröffnung der Ausstellung „Lovis Corinth und die Geburt der Moderne", die als deutsch-französische Kooperation mit dem Musee d'Orsay (Paris) und dem Museum der bildenden Künste (Leipzig) unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin und des französischen Staatspräsidenten anlässlich des 150. Geburtstages des Künstlers entstand. Exklusiv für die Regensburger Ausstellung konnten bislang kaum oder überhaupt nicht bekannte Hauptwerke des Künstlers gewonnen werden. Mit insgesamt 46 287 Kunstbegeisterten aus ganz Deutschland (2008/2009) war es die meistbesuchte Ausstellung seit Gründung des Kunstforums.

4.7 Westpreußisches Landesmuseum, Münster

Bundesförderung: Das Westpreußische Landesmuseum wird finanziell überwiegend vom Bund getragen; darüber hinaus beteiligt sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe an der Förderung. 2007 erhielt das Museum vom Bund 432 000 Euro an Fördergeldern; 2008 waren es rund 480 000 Euro.

Aufgaben: Das Westpreußische Landesmuseum versteht sich als die zentrale Einrichtung für die Sammlung, Bewahrung, Erforschung, Präsentation und Vermittlung der Kultur und Geschichte des Landes am Unterlauf der Weichsel. Darüber hinaus betreibt es eine Außenstelle in Krockow/Krokowa bei Danzig/Gdarisk (Polen). Dieses 1999 gegründete deutsch-polnische Museum in der Nordkaschubei trägt wesentlich zum Ausbau und zur Intensivierung der deutsch- polnischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Museumswesens bei.

Bei Ausstellungsprojekten legt das Landesmuseum Wert auf die Zusammenarbeit mit polnischen Museen im ehemaligen Westpreußen - etwa mit dem Schlossmuseum in Marienburg/Malbork, dem Nationalmuseum in Danzig/ Gdarisk oder dem Historischen Museum der Stadt Danzig/Gdatisk - sowie mit nahe stehenden Einrichtungen in Deutschland.

Besucherzahlen: Im Berichtszeitraum verzeichnete das Museum rund 27 000 Besucher.

Ausgewählte Einzelprojekte: Zu den Sonderausstellungen, die sich 2007 und 2008 besonderer Resonanz erfreuten, gehörten:

„Hugo Conwentz (1855 bis 1922) und die Anfange des Naturschutzes in Preußen" (über den Naturwissenschaftler und Direktor der ersten Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen mit Sitz in Danzig);

„Ermländische Ansichten. Ferdinand von Quast und die Anfänge der Denkmalpflege in Preußen und Ermland" Lithographien, Drucke, Aquarelle und Zeichnungen des ersten Konservators der Kunstdenkmäler in Preußen, gezeigt auch in der Außenstelle in Krockow/Krokowa);

„Im Bernstein verewigt - Bernsteininklusen aus der Sammlung Otto Helm (1826 bis 1902)" (in Zusammenarbeit mit dem Museum der Natur in Gotha), zur ersten und bedeutendsten nach wissenschaftlichen Kriterien bearbeiteten Inklusensammlung in Europa, die in das Westpreußische Landesmuseum überführt wurde;

„Auf zu neuen Ufern - Op nieuwe koers - Ku nowym brzegom. 25 Künstler im Dialog mit der Danziger Tapisserie" (ein überregional bekanntes Kunstwerk aus dem 17. Jahrhundert im Bestand des Museums, von dem sich Künstler aus Deutschland, den Niederlanden und Polen inspirieren ließen). Die Ausstellung wurde auch in Graudenz/Grudziadz, Elbing/Elblqg und Marienwerder/Kwidzyn gezeigt.

Darüber hinaus präsentierte das Museum vier Wanderausstellungen in Deutschland, darunter die Schau „Kurt Schumacher (Kulm/Westpreußen 1895 bis 1952 Bonn). Deutscher und Europäer".

4.8 Weitere museale Einrichtungen

Museum für schlesische Landeskunde in Haus Schlesien, Königswinter

Bundesförderung: Der Bund förderte das Museum für schlesische Landeskunde in „Haus Schlesien - Deutsches Kultur- und Bildungszentrum e. V" 2007 und 2008 mit jeweils 205 000 Euro.

Aufgaben: Schwerpunkte des Museums sind die Sammlung, Aufbewahrung und Ausstellung von schlesischem Kulturgut sowie von Gegenständen der Landes- und Volkskunde (Schaufenster Schlesien). Darüber hinaus unterhält es eine Präsenzbibliothek mit über 25 000 Büchern und Zeitschriften sowie ein Archiv. In Erfüllung dieser Aufgaben fungiert das Museum als Auffangstelle für private Nachlässe und von der Auflassung bedrohte regionale Heimatstuben. Im polnischen Kloster Leubus/Klasztorze  unterhält das Museum eine Außenstelle.

Im Berichtszeitraum realisierte das Museum ein vielfältiges Kultur-, Bildungs- und Ausstellungsprogramm für alle Altersgruppen, an dem insgesamt rund 18 000 Besucher teilnahmen. Dabei kooperierte es mit Partnern im In- und Ausland wie dem Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf, dem Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen, dem Regionalmuseum in Jauer/Jawor und dem Regionalmuseum des Lebuser Landes in Grünberg/Zielona Góra sowie mit verschiedenen Kultur- und Bildungseinrichtungen in Breslau/Wroc³aw. Unter den 2007 und 2008 durchgeführten Sonderausstellungen hervorzuheben sind die Ausstelhmg zum 150. Todestag des schlesischen Spätromantikers Joseph von Eichendorff, die Schau zu dem aus Schlesien stammenden Bildhauer Herbert Volwahsen und die Ausstellung „Meister des Klassizismus in Deutschland" zum 200. Todestag des Baumeisters und Architekten Carl Gotthard Langhans.

Kulturzentrum Ostpreußen, Ellingen

Bundesförderung: 2007 wurde die Einrichtung mit 176 000 Euro, 2008 mit 178 000 Euro gefördert.

Aufgaben: Dem Kulturzentrum Ostpreußen obliegt es, ostpreußisches Kulturgut einschließlich Bibliotheks- und Archivgut zu sammeln, zu erfassen, zu erhalten, zu pflegen und es für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Schwerpunkt liegt in der Archivierung und Erhaltung von kulturgeschichtlich bedeutsamen Nachlässen, Heimatstubeninventaren sowie von Dokumentationsmaterial aus den verschiedenen Bereichen des sozialen, wirtschaftlichen und persönlichen Lebens in Ostpreußen. Das Kulturzentrum unterhält eine Präsenzbibliothek, die Anlaufstelle für kulturell und historisch Interessierte sowie für viele Heimatvereine und Künstlergruppen ist. Darüber hinaus erfüllt das Kulturzentrum eine museale Schaufensterfunktion.

Besucherzahlen: 2007/2008 verzeichnete das Kulturzentrum rund 8 400 Besucher

Die Dauerausstellung über die Geschichte des Preußenlandes im früheren Deutschordensschloss Ellingen enthält eine Galerie mit Gemälden, Grafiken und Plastiken und behandelt typische Themen wie Bernstein, das Königsberger Bürgerzimmer und historische Jagdwaffen. Daneben präsentierte das Kulturzentrum 2007 und 2008 Sonder- und Kabinettausstellungen mit folgenden Bezügen: Trakehnen - Geschichte des Gestüts und der Pferdezucht in Ostpreußen, Historische Landkarten von Ost- und Westpreußen, die Geschichte der Salzburger Exulanten, der Frieden von Tilsit, moderne Malerei von Dieter Otto Berschinski und Hasso von Hennings, Fotografien zu Masuren und dem Ermland, Burgen und Schlösser des Deutschen Ordens.

Im Rahmen der grenzüberschreitenden Kulturarbeit wurde die Zusammenarbeit mit den polnischen Einrichtungen in Stuhrn/Sztum, Saalfeld/Zalewo und Preußisch Holland/Paskk intensiviert und die Wanderausstellung „Entlang der Weichsel und der Memel. Historische Landkarten und Stadtansichten von Ost- und Westpreußen, Polen und dem Baltikum" in verschiedenen polnischen Städten präsentiert.

5 Forschungseinrichtungen und Bibliotheken

Der wissenschaftliche Kenntnisstand zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa hat sich in den vergangenen Jahren im Kontext der historischen Ostmittel- und Osteuropaforschung und der erweiterten Möglichkeiten der internationalen Kooperation dynamisch entwickelt. Die Ergebnisse dieser Forschungen bilden die Basis für alle Bereiche der kulturellen Bildungsund Breitenarbeit, die nur auf dieser Grundlage zukunftsweisend weiterentwickelt werden können. Spezialbibliotheken stellen der wissenschaftlichen Arbeit und der allgemeinen Kulturvermittlung die notwendige Fachliteratur zur Verfügung. Deshalb legt § 96 BVFG einen besonderen Akzent auf die kontinuierliche Förderung von wissenschaftlichen Instituten und Fachbibliotheken.

5.1 Herder-Institut e. V., Marburg

Bundesförderung: Die Finanzierung, an der Bund und die Länder zu jeweils 50 Prozent beteiligt  sind, betrug von Seiten des Bundes 2007 1,831 Mio. Euro und 2008 1,804 Mio. Euro.

Aufgaben: Das 1950 gegründete Herder-Institut ist eine der zentralen Einrichtungen der historischen Ostmitteleuropa-Forschung in Deutschland. Es ist Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. (WGL), Sektion A Geistes- und Erziehungswissenschaften und unterstützt „als wissenschaftliche Serviceeinrichtung mit seinen Sammlungen und als Forum der wissenschaftlichen Diskussion die historische Erforschung der Länder und Völker des östlichen Mitteleuropas in europäischen Bezügen unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte der historischen deutschen Ostgebiete und der deutschen Siedlungsgebiete in Ostmitteleuropa". Dies spiegelt sich in den regionalen Schwerpunkten vieler Institutsaktivitäten (vor allem Schlesien, Baltikum) wider. Kernbereiche der Institutsarbeit sind zum einen die Sammlungen, das IT-basierte Serviceangebot und die Funktion als internationales Forum der wissenschaftlichen Diskussion und Vernetzung. Thematische Schwerpunkte der eigenen Forschungsarbeit sind die Analyse von Transfer- und Verflechtungsprozessen in und nach Ostmitteleuropa vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Fragen nationaler, regionaler und transnationaler Strukturen und Denkmuster, Medien und Wissensordnungen sowie die Sicherung und Dokumentation des kulturellen Erbes.

In den letzten Jahren hat sich das Institut vor allem im Bereich der forschungsbasierten internetgestützten Vermittlung von Wissen profiliert (Onlineportal zur Geschichte Ostmitteleuropas, Länderportale und Internetressourcen, bibliographischer und Online-Service, Nachweis der Bibliotheksbestände in webbasierten Metakatalogen). Das Herder-Institut ist der größte Partner der Bayerischen Staatsbibliothek in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Virtuellen Fachportal Osteuropa (ViFaOst) und im 2008 eingeworbenen Projekt zum Aufbau eines Fachrepositoriums digitalisierter Publikationen zu Osteuropa (OstDok). Die Erweiterung, Konservierung und Präsentation der einzigartigen Sammlungsbestände des Instituts (Bibliothek: 400 000 Medieneinheiten, Zeitungsaussclmittarchiv: 5 Millionen Einheiten, Bildarchiv: 550 000 Einheiten, Kartensammlung: 42 000 Einheiten; wichtige deutschbaltische Bestände) stellt ein zentrales Anliegen dar.

Am Herder-Institut sind eigene Editionsprojekte angesiedelt („Geschichte der Deutschen in Ungarn" und „Polen in der europäischen Geschichte", Letzteres zusätzlich gefördert von der Volkswagen- Stiftung). Pilotcharakter hat das über den Pakt für Innovation und Forschung finanzierte deutsch- polnische Kooperationsprojekt zur Erschließung und virtuellen Zusammenführung der Bildmaterialien des ehemaligen Preußischen Provinziallconservators von Niederschlesien. Seit 2007 wird ein von der DFG geförderter „Historischer Städteatlas Schlesien" mit Wachstumskarten, Bildern und Stadtbeschreibungen erstellt. Weitergeführt wurden die Arbeiten am „Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen" mit dem Band zur Region um Krakau, bei der in Kooperation mit polnischen Partnerinstitutionen neben der gedruckten Version ein illustrierter, online recherchierbarer „Dehio" (Handbuch) entstehen soll.

Durch die gemeinsame Berufung des Direktors kooperiert das Herder-Institut seit 2007 mit der Justus-Liebig-Universität Gießen (Gießener Zentrum Östliches Europa, Zentrum für Medien und Interaktivität sowie Graduate Center for the Study of Culture, gefördert durch die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern). Im Rahmen der hessischen Exzellenzinitiative LOEWE entstand mit der Universität Gießen der Projektverbund „Kulturtechniken und ihre Medialisierung", an dem sich das Herder-Institut mit Forschungsvorhaben zur Geschichte des deutsch-jüdisch-polnischen Verhältnisses beteiligt. Das Herder-Institut ist zudem Partner im „Kompetenzzentrum Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung".

5.2 Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e. V., Lüneburg/Göttingen

Bundesförderung: Das ausschließlich vom Bund geförderte Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e. V. (IKGN) erhielt 2007 und 2008 jeweils 1,149 Mio. Euro.

Aufgaben: Das IKGN betreibt Forschungen zur Kultur und Geschichte der Deutschen mit dem Beziehungsgeflecht zu den Nachbarvölkern im nördlichen Osteuropa, insbesondere auf dem Gebiet der historischen preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen sowie in Polen, Estland, Lettland, Litauen, in Russland, der Ukraine und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Als An-Institut der Universität Hamburg ist das IKGN verzahnt mit der universitären Forschung und Lehre in Deutschland.

Im Berichtszeitraum führte das IKGN den Ansatz, sich mit Hilfe begriffsgeschichtlicher Kategorien der national, sprachlich und konfessionell sehr stark ausdifferenzierten Region zu nähern, auf internationalen Tagungen fort: 2007 über „Bildungskonzepte und Bildungsinitiativen in Nordosteuropa im 19. Jahrhundert", 2008 zu „Loyalität, Legitimität, Legalität. Separations- und Souveränisierungsprozesse in Ostmittel- und Osteuropa 1914-1921".

Darüber hinaus lag ein besonderer Akzent auf der Geschichte der Deutschen im Baltikum und in Zentralasien. Mit der „Baltischen Studienkonferenz" 2007 in Lüneburg, an der 250 Experten der Baltikumforschung aus 20 Ländern teilnahmen, und mit dem Beginn der Arbeit an einem mehrbändigen Handbuchprojekt „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region" verfestigte das IKGN seine Rolle als Zentrum der Beschäftigung mit den baltischen Ländern unter besonderer Berücksichtigung der deutschbaltischen Traditionen weiter. Zusammen mit der Universität Tartu (Estland) und der Association for the Advancement of Baltic Studies führte das IKGN 2008 in Dorpat/Tartu einen internationalen Workshop zur Geschichte des Stalinismus im Baltikum durch. Das IKGN veröffentlichte 2008 außerdem zwei grundlegende Monographien, die sich mit dem Baltikum in unterschiedlichen historischen Bezügen befassen. Der regionale Schwerpunkt setzte sich in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses fort, was in der universitären Lehre und dem international besetzten Doktorandenkolloquium in Wilna/Vilnius (2008) zum Ausdruck kam.

Mit zusätzlicher Unterstützung der VolkswagenStiftung initiierte das IKGN ein Forschungsprojekt, das sich mit der Geschichte und Kultur der „Deutschen in der multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft Kyrgyzstans" befasst. Die soziologischen, historischen und kulturwissenschaftlichen Untersuchungen fanden in enger Kooperation zwischen deutschen und kirgisischen Wissenschaftlern statt. Die Geschichte der Deutschen in dieser Region bildet ein wichtiges Beispiel für Probleme der Akkulturation bzw. Assimilation einer ethnischen Minderheit, die nur teilweise durch Migration, überwiegend jedoch durch Deportation und Repression (nach 1941) entstanden ist und dieses Schicksal mit anderen Minderheiten geteilt hat. Mit der Erforschung der Folgen dieser sowjetischen Politik in Kyrgyzstan wird zugleich ein Beitrag zur Überwindung wissenskultureller Grenzen zwischen den Wissenschaftstraditionen in Europa und in Zentralasien geleistet.

Unter den Buchveröffentlichungen sticht eine vierbändige Dokumentation über die deutsche „Einwanderung in das Wolgagebiet 1764-1767" hervor, die 2008 zum Abschluss gebracht werden konnte. „Nordost-Archiv", das Jahrbuch des IKGN, setzte die Themenschwerpunkte „National- Texturen - National-Dichtung als literarisches Konzept in Nordosteuropa" (2007) und „Über den Weltkrieg hinaus. Kriegserfahrungen in Ostmitteleuropa 1914-1921" (2008). Bei allen Veröffentlichungen, Tagungen, Vorträgen, Kooperationen stand der wissenschaftliche und kulturelle Dialog über nationale Grenzen hinweg im Mittelpunkt. Zwei Veröffentlichungen des IKGN, in denen dieses Anliegen des Instituts zum Ausdruck kam, wurden 2007 in Polen ausgezeichnet.

5.3 Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V., München

Bundesförderung: Das allein vom Bund geförderte Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e.  V. (IKGS) bekam in den Jahren 2007 und 2008 jeweils 647 000 Euro an Fördermitteln zugewiesen.

Aufgaben: Das IKGS führt Forschungen zur deutschen Kultur und Geschichte im Beziehungsgeflecht der Kulturregionen Südosteuropas durch. Es initiiert und realisiert Forschungsprojekte und Fachveranstaltungen, begleitet und betreut wissenschaftliche Arbeiten von Doktoranden, Magistranden, Studenten und erstellt Gutachten für Dissertationen, Projekte und Publikationsvorhaben. Als An-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München ist das IKGS ebenso wie das IKGN angebunden an die universitären Wissenschaftsstrukturen in Deutschland.

Das IKGS hat in den letzten beiden Jahren sein wissenschaftliches Angebot (Publikationen, Tagungen) erweitert, die universitäre Lehre an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und an ausländischen Hochschulen fortgesetzt und weitere, insbesondere grenzüberschreitende Netzwerke geschaffen. Es ist bundesweit die einzige Einrichtung, die deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas in ihren regionalen und transnationalen Zusammenhängen zum ausschließlichen Forschungsgegenstand hat und ihre Ergebnisse durch verlagseigene Publikationen (Bücher, Zeitschriften) einer breiten Öffentlichkeit vermittelt. Das IKGS begleitet und unterstützt die Tätigkeit der Stiftungsprofessuren der Bundesrepublik Deutschland an der Babes-Bolyai-Universität in Klausenburg/Cluj (Rumänien) und an der Universität Pecs (Fünfkirchen/Nes, Ungarn). Die Vernetzung mit der Münchener Universität und mit Hochschulen und Forschungsinstituten in Südosteuropa äußert sich in der Teilnahme von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des IKGS an akademischen Veranstaltungen und Lehrangeboten im In- und Ausland. Neben Absolventen und Doktoranden aus Deutschland, Rumänien und Ungarn mit einem Stipendium des IKGS profitierten zunehmend Studierende der LMU München von der mit Fachliteratur, Nachschlagewerken, Archivalien und einem umfangreichen Mikrofilmarchiv zur deutschsprachigen Presse Südosteuropas gut ausgestatteten Bibliothek und der Kompetenz des wissenschaftlichen Personals des Instituts.

Ausgewählte Einzelprojekte: 2007 veranstaltete das IKGS in Zusammenarbeit mit dem Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande der Universität Bonn eine internationale Tagung zu dem Stand und den Perspektiven der Arbeiten an Mundartwörterbüchern, die deutsche Dialekte in Südosteuropa lexikografisch erfassen. Im norwegischen Bergen fand im Rahmen eines von der EU mitgeförderten Dreiländerprojekts der Workshop „Ost-West-Begegnungen. Rumäniendeutsche Literatur im norwegisch-rumänisch-deutschen Dialog" statt, veranstaltet vom Institut für Fremdsprachen der Universität Bergen, dem IKGS und dem Exzellenzzentrum „Paul Celan" an der Universität Bukarest. Eine internationale Tagung des IKGS und der Fakultät für Geschichte der Universität in Klausenburg/Cluj galt dem Thema „Vom Tauwetter zum Frost. Deutsche und andere Minderheiten in Südosteuropa 1953-1963". Zudem führte das IKGS in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der Akademie der Wissenschaften in Pressburg/Bratislava (Slowakei) und mit dem Karpatendeutschen Museum eine Tagung zum Thema „Deutsche Stadtbürger im Königreich Ungarn" durch; ein Studienband dazu ist im IKGS-Verlag in Vorbereitung.

2008 führte das IGKS in Kooperation mit der Universität Czernowitzternivci (Ukraine) und der University of Portsmouth die interdisziplinäre Tagung „Die Presselandschaft in der Bukowina und den Nachbarregionen (1900-1945)" durch. 2008 wurde außerdem eine internationale Tagung zum Thema „Grenzüberschreitungen, Zwischenräume, Identitätsoptionen. Rumäniendeutsche Literatur im norwegisch-rumänisch-deutschen Dialog" veranstaltet. Des Weiteren wurde das Forschungsprojekt „Rumäniendeutsche Schriftsteller im Spiegelbild und Zerrspiegel der Securitate" mit wissenschaftlichen Recherchen im Archiv für die Unterlagen des ehemaligen rumänischen Geheimdienstes Securitate fortgeführt.

5.4 Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek, Herne

Bundesförderung: Die Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek (MOB) wird zu rund zwei Dritteln vom Bund gefördert, den anderen Förderanteil trägt die Stadt Herne. In den Jahren 2007 und 2008 stellte der Bund jeweils 521 000 Euro an Förderung zur Verfügung.

Aufgaben: Die MOB wurde 1989 auf der Grundlage des § 96 BVFG als „zentrale Bibliothek" für den Förderbereich errichtet. Sie ist die einzige Bibliothek mit überregionaler und alle Arbeitsfelder des Kulturlebens einbeziehender Aufgabenstellung, die sämtliche historischen und aktuellen deutschen Siedlungsgebiete im östlichen Europa bibliothekarisch betreut. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit, zwischen Bibliotheken in Deutschland und im östlichen Europa.

Die MOB sammelt dazu im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten die gesamte schriftliche Überlieferung und die aktuell erscheinenden Publikationen zur deutschen Geschichte und Kultur im östlichen Europa und ergänzt  ihre Bestandslücken - soweit urheberrechtlich zulässig - durch digitale und analoge Kopien. Sie sichert Bestände Dritter durch Übernahme oder als Dauerleihgabe. An größeren Übernahmeprojekten sind zu nennen die Einarbeitung der Vertriebenenpressesammlung des Göttinger Arbeitskreises (seit 2005) und die Zusammenführung mit den eigenen Beständen zum „Archiv der deutschen Heimatvertriebenenpresse" sowie die Übernahme der Bibliothek des Historischen Vereins für das Ermland (als Dauerleihgabe seit 2008).

Ziel der Sammlung ist die überregionale Literaturversorgung im In- und Ausland. Dazu werden Monographien und Zeitschriften in einem über das Internet allgemein zugänglichen Katalog erschlossen, der auch die Online-Fernleihe erlaubt.

Die MOB berät und unterstützt technisch und inhaltlich kleinere Bibliotheken und Sammlungen. Mit dem Verbundkatalog östliches Europa (VOE) bietet sie ein zentrales Nachweisinstrument für 25 Bibliotheken mit mehr  als 650 000 nachgewiesenen Titeln an. Sie richtet für diesen Kreis regelmäßig Fortbildungstagungen aus.

Mit den Regionalbibliotheken im östlichen Europa - insbesondere in Polen, darunter die Universitätsbibliotheken in Breslau/Wroc³aw und Posen/Poznan mit den größten deutschsprachigen Altbeständen des Landes - bestehen intensive Kooperationen.

Durch Ankäufe, Schenkungen, Schriftentausch und Übernahmen wächst der Bibliotheksbestand im Jahresdurchschnitt um mehr als 10 000 bibliographische Einheiten. Pro Jahr sind rund 20 000 Entleihungen zu verzeichnen. Das konkurrierende Angebot elektronischer Medien hat die Benutzerstruktur verändert, nicht aber das Interesse gemindert.

Internetpräsenz: Der elektronische Katalog verzeichnete Ende 2008 knapp 230 000 Datensätze. 85 473 (2007) bzw.95 080 Internetzugriffe (2008 - davon 83 367 Zugriffe über die Homepage und 11 713 auf den Online-Katalog) weisen auf das wachsende öffentliche Interesse hin.

6 Einrichtungen der Kulturvermittlung

Die Angebote der beiden langfristig geförderten Einrichtungen auf dem Gebiet der Kulturvermittlung präsentieren historische und aktuelle Aspekte deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa. Ihr weites mediales ngebot - unter anderem Ausstellungen, Vortragsveranstaltungen, Filme, Konzerte und Publikationen - zielt auf die breite Öffentlichkeit. Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit ist die Kooperation mit Partnereinrichtungen in Ostmitteleuropa: Gemeinsam können neue Perspektiven auf historisch-kulturelle Zusammenhänge eröffnet werden.

6.1 Deutsches Kulturforum östliches Europa e. V., Potsdam

Bundesförderung: Das vom Bund getragene Deutsche Kulturforum östliches Europa (DKF) wurde 2007 und 2008 mit 1,198 Mio. Euro bzw. 1,087 Mio. Euro gefördert.

Aufgaben: Zielrichtung des DKF ist es, auf verschiedenen Ebenen als Multiplikator zu wirken. Zum einen vermittelt es der breiten Öffentlichkeit im In- und Ausland die deutschen Kulturtraditionen im östlichen Europa - die heute ein gemeinsames europäisches Kulturerbe der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn bilden. Es versteht sich dabei insbesondere auch als Scharnier zwischen den Forschungseinrichtungen im Förderbereich und dem nichtwissenschaftlichen Publikum. Zum anderen kommt dem DKF eine wichtige Forums- und Vernetzungsfunktion zu. Es bietet sowohl den anderen nach § 96 BVFG geförderten Einrichtungen als auch vielfältigen anderen Kooperationspartnern im In- und Ausland Diskussionsforen an, bündelt Initiativen, vernetzt die Kommunikationsstränge. Dabei bedient sich das Kulturforum insbesondere dreier miteinander verzahnter Mittel: öffentliche Breitenveranstaltungen, die Veröffentlichung von Büchern,  Broschüren, Tonträgem und elektronischen Medien durch den hauseigenen Verlag sowie Online- Angebote wie Internetportal und Newsletter.

Im Berichtszeitraum hat die Führung des Kulturforums gewechselt und es ist eine neue Vorstandsstruktur geschaffen worden, mit der der Charakter der Einrichtung als Diskussionsforum, Ideenpool und Netzwerkbasis deutlich verstärkt werden konnte.

Ausgewählte Einzelprojekte: Zum 200. Jahrestag des Tilsiter Friedens konzipierte das DKF eine Ausstellung des Fotografen Martin Rosswog und der Autorin Ulla Lachauer, die 2007 im In- und Ausland präsentiert wurde. Gemeinsam mit dem Kulturreferenten am Schlesischen Museum zu Görlitz wurde eine Fortbildungsreise für Multiplikatoren nach Nieder- und Oberschlesien durchgeführt. Das im Verlag des Kulturforums erschienene Buch „Henry van de Velde in Polen. Die Innenarchitektur im Sanatorium Trebschen/Trzebiechów" wurde 2007/08 in Leipzig, Berlin, Darmstadt, Weimar, Trebschen/Trzebiechów und Breslau/Wroc³aw (Polen), Chemnitz und Brüssel vorgestellt. Die vom Kulturforum produzierte CD mit Musik des Komponisten Edwin Geist wurde mit Konzerten in Memel/Klaipeda, Wilna/Vilnius und Kaunas (Litauen), Stettin/Szczecin (Polen), Waltham, MA und Boston (USA) sowie Berlin präsentiert. Unter dem Titel "Ablagerungen. Deutsche in der tschechischen Gegenwartsliteratur" entstand im Herbst 2008 eine Reihe von Lesungen und Publikumsgesprächen in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin, die im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg wiederholt gewidmet. Die Präsentation im Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte Potsdam wurde von Vorträgen, Lesungen, Filmvorführungen und einer Podiumsdiskussion begleitet.

Wanderausstellungen: Besonders gefragt waren im Berichtszeitraum folgende Ausstellungen: „Die schlesischen Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer. Ein deutschpolnisches Kulturerbe" (Stationen 2007/08: Landshut, Ostfildern, Tübingen, Backnang, Kassel), „Der kleine Frieden — Aufbruch an der Memel" (Stationen 2007/08: Tilsit/Sowjetsk, Königsberg/Kaliningrad, Memel/Klaipeda, Wilna/Vilnius, Sejny, Marburg, Posen/Poznah.) und „Aspekte des ungarischen Historismus. Deutsch-ungarische Wechselbeziehungen in der Architektur" (Stationen 2007/ 08: Berlin, Rellingen, Budapest, Fünflcirchen/Pecs, Ulm).

Georg-Dehio-Preis: Das Kulturforum vergibt den vom BKM dotierten Preis im jährlichen Wechsel als Kultur-und als Buchpreis. Den Georg-Dehio-Kulturpreis im Jahr 2007 erhielten der lettische Denkmalschützer Imants Lancmanis (Hauptpreis) sowie das deutsch-polnische Magazin DIALOG mit seinem Chefredakteur Basil Kerski (Ehrenpreis). Der Georg-Dehio-Buchpreis 2008 wurde an den Schriftsteller Richard Wagner (Hauptpreis) für dessen Gesamtwerk und an den Historiker Andreas Kossert (Ehrenpreis) für sein Buch „Ostpreußen. Geschichte und Mythos" verliehen.

Der Verlag des Deutschen Kulturforums hat sich mit seinen sorgfältig lektorierten und ansprechend gestalteten Sachbüchern, in denen Themen der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa einem breiten Publikum präsentiert werden, einen Namen gemacht. Im Berichtszeitraum brachte der Verlag neun Neuerscheinungen, zwei aktualisierte Neuauflagen und zwei Audio-CDs heraus, die von der Leserschaft und der Presse im In- und Ausland mit großer Aufmerksamkeit bedacht werden. Das bereits 2006 veröffentlichte Buch „Aurith - Urad. Zwei Dörfer an der Oder" prämierte die Deutsche Stiftung Buchkunst 2007 als „eines der schönsten Bücher". Der Verlag war auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig vertreten.

Internetpräsenz: Die Website des DKF (www.kulturfo rum.info) hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wirkungsvollen Informationsträger zum Thema Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa entwickelt. Gegenüber 208 409 Aufrufen der Internetseite im Jahr 2006 nutzten 2007 und 2008 jeweils rund 350 000 Besucher das Internetangebot des Kulturforums. Die Zahl derAbonnenten des per E-Mail versandten Newsletter stieg von 842 Lesern im Jahr 2007 auf 1001 Leser im Jahr 2008.

6.2 Adalbert Stifter Verein, München

Bundesförderung: 2007 und 2008 erhielt der vollständig, vom Bund geförderte Adalbert Stifter Verein (ASV) jeweils 379 000 Euro.

Aufgaben: Der 1947 gegründete ASV hat das Kulturerbe der Deutschen aus Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien zu bewahren und die „wissenschaftliche und künstlerische Tradition der Sudetenländer als Teil der deutschen und europäischen Kultur weiter zu tragen und insbesondere in den deutsch-tschechischen Kulturaustausch einzubringen". Dazu veranstaltet der ASV wissenschaftliche Vorträge, Kolloquien, Autorenlesungen und Künstlerbegegnungen, erarbeitet kulturgeschichtliche Ausstellungen und publiziert das Stifter-Jahrbuch. Als Kulturinstitut befasst sich der ASV mit der deutschsprachigen Literatur Böhmens, Mährens und Mährisch-Schlesiens einschließlich ihrer Wechselwirkungen mit der tschechischen Literatur. Ein Forschungsschwerpunkt liegt auf der böhmischen Literatur- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Der ASV arbeitet mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Österreich und Tschechien zusammen; seine Ausstellungen präsentiert er im In- und Ausland.

Ausgewählte Einzelprojekte: 2008 fand die Schloss-Janowitz-Inititative, 1999 vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien initiiert und dem ASV übertragen, in einer mit dem Prager Nationalmuseum durchgeführten Feier ihren Abschluss. Ziele der deutschtschechisch-österreichischen Initiative waren, den Bau und den Park von Schloss Janowitz/Vrchotoe Janovice zu restaurieren, gemeinsame kulturelle Veranstaltungen zu fördern und die Herausgabe einer neuen „Bibliothek Janowitz" zu unterstützen. Eine weiteres verbindendes Element bildet die Verleihung des „Kunstpreises zur deutsch-tschechischen Verständigung", den der ASV mit der Prager „Union für gute Nachbarschaft" vergibt. 2007 wurden der Prager Germanist Väclav Maidl und der bayerische Politiker Klaus Rose ausgezeichnet. Darüber hinaus beteiligte sich der ASV am Gedenken zum 40. Jahrestag des „Prager Frühlings" mit Übernahme einer Fotoausstellung des Prager Nationalmuseums.

Als Teil des Forschungsprojekts über die NS-Zeit „Kultur-und Kulturpolitik in Böhmen und Mähren 1938-1945" erschien im Jahr 2008 der Konferenzband „Musik im Protektorat. Böhmen und Mähren (1939-1945). Fakten — Hintergründe — Historisches Umfeld". Das 2008 begonnene Forschungsprojekt „Praha—Prag. Literaturstadt zweier Sprachen, vieler Mittler" widmet sich der Literatur in Prag zwischen 1900 und 1945. In Anlehnung und Abstimmung mit dem Lexikonprojekt der Stiftungsprofessur für deutsche Literatur an der Universität Olmütz/Olomouc über deutschsprachige Autoren Mährens führte der ASV die 2006 begonnene Erfassung von Autoren und Werken fort. Im Zusammenhang mit dem Lexikonprojekt und weiteren Kooperationen standen internationale Arbeitstagungen in Wien und Dresden. Beispiele für Ausstellungen des ASV

waren: „Gleiche Bilder, gleiche Worte. Deutsche, Österreicher und Tschechen in der Karikatur  1848-1948" (Oberplan/Horni Planä, Tschechien), „Musen an die Front! Schriftsteller und Künstler im Dienst der k. u. k. Kriegspropaganda 1914-1918" (Budapest) und „Grenze zwischen Zeit und Ewigkeit. Deutsche Friedhöfe in Böhmen, Mähren und Schlesien" (Düsseldorf).

7 Förderung kultureller Maßnahmen

§ 96 BVFG enthält explizit den Auftrag, das Kulturgut der Vertreibungsgebiete im Bewusstsein „des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes" zu erhalten. Die Vermittlung einschlägiger Kenntnisse durch eine zeitgemäß gestaltete kulturelle Breitenarbeit, die insbesondere auch jüngere Generationen mit attraktiven Angeboten anspricht, bleibt daher eine wesentliche Aufgabe im Bereich der Kulturförderung. Nicht zuletzt wegen der Aktivitäten in diesem Bereich hat in den vergangenen Jahren das allgemeine gesellschaftliche Interesse an der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa merklich zugenommen.

7.1 Breitenarbeit der Kulturreferentinnen/Kulturreferenten

In besonderer Weise beauftragt mit der Förderung und der Umsetzung von Aufgaben der kulturellen Breitenarbeit sind sechs Kulturreferentinnen und Kulturreferenten, die entsprechend ihrer regionalen Zuständigkeit folgenden Museen bzw Kultureinrichtungen zugeordnet sind: für Pommern und Ostbrandenburg dem Pommerschen Landesmuseum (Greifswald), für Ostpreußen, das Baltikum, Russland und die GUS-Staaten dem Ostpreußischen Landesmuseum (Lüneburg), für Westpreußen, das Posener Land und Mittelpolen dem Westpreußischen Landesmuseum (Münster), für Schlesien dem Schlesischen Museum zu Görlitz, für Südosteuropa (Banat, Bessarabien, Dobrudscha, Siebenbürgen, Transdanubien) dem Donauschwäbischen Zentralmuseum (Ulm) und für die böhmischen Länder (Böhmen, Mähren, Mährisch-Schlesien) dem Adalbert Stifter Verein (München). Die Kulturreferentinnen und -referenten verfügen jeweils über einen eigenen Förderetat.

2007 und 2008 stellte der Bund für die Tätigkeit der Kulturreferentinnen/Kulturreferenten 708 400 Euro bzw. 777 200 Euro zur Verfügung. Diese förderten insgesamt 174 externe Projekte im Gesamtvolumen von 523 000 Euro. Davon entfielen 127 Projektzuwendungen mit insgesamt 432 700 Euro auf die Landsmannschaften und andere Organisationen der deutschen Heimatvertriebenen.

Ziel der Tätigkeit ist die breitenwirksame Vermittlung der deutschen Kultur und Geschichte im östlichen Europa an einen möglichst großen Rezipientenkreis im In- und Ausland. Im Mittelpunkt stehen die Pflege und die Weiterentwicklung regionalspezifischer kultureller Traditionen. Das geistige und materielle Erbe der Deutschen im östlichen Europa wird in Kooperation mit den heute in diesen Regionen lebenden Menschen wahrgenommen, aufgesucht und beschrieben und damit auch als gemeinsames

Kulturerbe der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn vermittelt. Die Kulturreferentinnen/Kulturreferenten beziehen in ihre Arbeit die Erinnerungen und Erfahrungen der Betroffenen, der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler und ihrer Organisationen ein und unterstützen gezielt auch die Kulturarbeit der Landsmannschaften und anderer Organisationen der Heimatvertriebenen.

Das Arbeitsprogramm umfasst die Durchführung von Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit, kulturelle Bildungs- und Jugendarbeit z. B. durch Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungsträgern, grenzüberschreitende Kooperationen mit ausländischen Partnern, die Förderung von Projekten Dritter einschließlich der Beratung von Antragstellern, Presse-, Öffentlichkeits- und Museumsarbeit. Die regionale Spannweite und die inhaltliche Vielfalt der Tätigkeit der Kulturreferentinnen/Kulturreferenten werden an folgenden ausgewählten Beispielen deutlich:

Böhmische Länder: Eine Exkursion „Brennpunkte der deutsch-tschechischen Geschichte" nach Aussig/Üsti nad Labem und Nordböhmen richtete sich speziell an Studenten der Universitäten Regensburg und Passau, eine Journalistenreise führte nach Mährisch-Schlesien. An Schüler, vornehmlich der Mittel- und Oberstufe, wandte sich die Wanderausstellung „In Böhmen und Mähren geboren - bei uns (un)bekannt?" über Persönlichkeiten dieser Region, die an vier Orten in Tschechien und Deutschland gezeigt wurde. Ferner wurden mehrere Ausstellungen präsentiert.

Ostpreußen: Ein inhaltlicher Schwerpunkt waren Kultur und Geschichte des Deutschen Ordens. Die darüber hinaus angebotenen Vorträge und Lesungen, Filme und Dia-Reportagen berührten verschiedene historische und kulturelle Themen wie Nationalsozialismus, Flucht und Vertreibung, Mundart und Landeskunde.

Pommern: Der 450. Todestag des pommerschen Reformators Johannes Bugenhagen und der 110. Todestag des in Swinemünde/Awinoujie aufgewachsenen Schriftstellers Theodor Fontane bildeten 2008 inhaltliche Schwerpunkte. Ein deutsch-polnisches Schülerteam setzte sich im Rahmen des bundesweiten Projekts „step2l - Initiative für Toleranz und Verantwortung" mit dem Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus auseinander. In Stettin/Szczecin wurde 2008 die Zusammenarbeit mit der Pommerschen Bibliothek aufgenommen, die eine Fotoausstellung von Greifswalder Schülern zeigte.

Schlesien: Ein wichtiges Anliegen war die Weiterbildung von Schülern, Studenten und Lehrern. Dazu wurden Schülerprojekte und mehrtägige Seminare in Kombination mit Studienreisen nach Schlesien für Studenten der Universitäten Bamberg, Frankfurt/Oder und Würzburg angeboten. Fortbildungsveranstaltungen wandten sich an Studienreferendarinnen und -referendare sowie Fachleiter für Geschichte. Der Kulturreferent bot zahlreiche öffentliche Kulturveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen an (von der Porzellanherstellung bis zur Märchenerzählerin) und bietet mit dem online erscheinenden „Silesia Newsletter" ein aktuelles Informationsmedium an.

Südosteuropa/Siebenbürgen: Realisiert und unterstützt wurden zahlreiche grenzüberschreitende Projekte. Ein im Rahmen des internationalen Donaufests in Ulm organisiertes Jugendcamp mit 150 Jugendlichen aus sechs Ländern (Bulgarien, Deutschland, Kroatien, Rumänien, Serbien und Ungar) fand besondere Beachtung in den Medien und der Öffentlichkeit. Hier wurden sowohl die gemeinsame Vergangenheit in den Donauländern als auch zukünftige Perspektiven für ein friedliches Miteinander in Europa thematisiert. Eine weitere grenzübergreifend organisierte Tagung befasste sich in Hermannstadt/Sibiu (Rumänien) mit dem architektonischen Erbe der Deutschen in Südosteuropa.

Westpreußen: Ein herausgehobenes Projekt im Berichtszeitraum war die Erarbeitung und Herstellung eines Films und einer Multivisions-Diaschau über das heutige Westpreußen, der unter anderem im Westpreußischen Landesmuseum gezeigt wird. Weitere Veranstaltungen, die zum Teil mit polnischen Partnern realisiert wurden, widmeten sich der Denkmalpflege, dem Heimatbegriff und Aspekten der mittelalterlichen Geschichte. Des Weiteren ist die Zusammenarbeit mit dem Institut für Denkmalpflege der Universität Thorn/Toruñ bei Vorträgen und dem Projekt „Rettung der deutschen Friedhöfe im Kreis Thorn" hervorzuheben, darüber hinaus ein Theaterprojekt für deutsche und polnische Jugendliche.

7.2 Weitere kulturelle Breitenarbeit

Der BKM förderte 2007/08 auf dem Projektweg vielfältige Maßnahmen der kulturellen Breitenarbeit, die von verschiedenen Projektträgern durchgeführt wurden. Dazu gehörten Organisationen der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler (insbesondere der Landsmannschaften), Bildungsträger verschiedener gesellschaftlicher Gruppen (z. B. Gewerkschaften, Jugendverbände, Kirchen,  Vereine) und Stiftungen. Adressaten dieser Projekte waren neben der allgemeinen Öffentlichkeit oftmals Angehörige der Erlebnisgeneration und ihre Nachkommen, die in den ehemals auch von Deutschen besiedelten Gebieten heute lebenden Menschen sowie die Angehörigen der dort verbliebenen deutschen Minderheiten.

Durchgeführte Veranstaltungen widmeten sich häufig dem populären „volkstümlichen" Kulturerbe wie Lied-,  Musik- und Tanztraditionen, besonderen regionalen handwerklichen Fertigkeiten (z. B. der Weberei), aber auch historischen und kulturhistorischen Themen, die einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden sollten (so etwa die Seminare der „Akademie Mitteleuropa" im Heiligenhof, Bad Kissingen). Besonders angesprochen von dieser Veranstaltungsform waren Multiplikatoren, zum Beispiel Lehramtsstudenten, Leiter von Heimatsammlungen und anderen kulturellen Einrichtungen sowie weitere in der Kulturarbeit ehrenamtlich Tätige.

Im Berichtszeitraum hervorzuhebende Projekte sind die Weiterreise der Ausstellung „Oder Panorama/Panorama Odry" der Europa Universität Viadrina, die Konzerte des Jungen Klangforums Mitte Europa im Konzerthaus Berlin anlässlich des 100. Geburtstages von Helmuth James von Moltke, die Errichtung der Dauerausstellung im Friedrich Teutsch-Haus in Hermannstadt/Sibiu (Rumänien), verschiedene vom Deutschbaltisch-Estnischen Förderverein im Baltikum durchgeführte Studentenseminare sowie die in Lettland und Deutschland gastierende Ausstellung „Von Stürmen und Drängen" des Vereins Schiller 05 e. V. anlässlich des 250. Geburtstages Friedrich Schillers und des 150. Todestages seines ersten lettischen Übersetzers Janis Peitans.

Mit Förderung des Bundes führte die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen (Bonn) 2007/2008 mehrere Tagungen durch und brachte Buchbände heraus, bei denen die Akzente auf der Architekturgeschichte des Mittelalters und der Literaturgeschichte Pommerns lagen. Ein mehrjähriges Vorhaben ist der Gewinnung eines Überblicks über die „Vermittlung deutscher Kultur des Ostens" in den vergangenen sechs Jahrzehnten gewidmet. Die Stiftung Ostdeutscher Kulturrat (Bonn) führte das thematisch und regional übergreifende Informationsblatt „Kulturpolitische Korrespondenz. Berichte, Meinungen, Dokumente" fort, das regelmäßig erscheint und nun auch im Internet verfügbar ist.

7.3 Förderung des kulturellen Austausches

Der BKM fördert seit 2008 wieder verstärkt den kulturellen Austausch mit Bezug auf die Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Seit der EU-Osterweiterung werden Regionen wie Böhmen, Schlesien, Siebenbürgen oder Ostpreußen in der deutschen und europäischen Öffentlichkeit wieder stärker wahrgenommen. Eine Verständigung auf europäischer Ebene kann insbesondere durch den kulturellen Austausch von Personen, Initiativen und Einrichtungen zwischen Deutschland und seinen europäischen Nachbarn erreicht werden.

Im Jahr 2008 unterstützte der BKM mehrere grenzüberschreitende Projekte in Hermannstadt/Sibiu (Rumänien): das internationale Poesiefestival „Oskar Pastior-Festival", initiiert durch das Literaturhaus Berlin, sowie die Einrichtung einer Stadtschreiberstelle durch die Deutsche Gesellschaft e. V., Berlin. Auch das Projekt der Deutschen Gesellschaft „Erbe, Tradition, Moderne - Europäischer Kulturtransfer durch Wandergesellen" trug dazu bei, deutsche Kultur im europäischen Kontext zu fördern, kulturelle Traditionen wiederzubeleben und bei der jungen Generation Neugier für das geschichtliche Erbe zu wecken.

8 Förderung im Wissenschaftsbereich

Die Förderung wissenschaftlicher Projekte erstreckt sich räumlich und zeitlich übergreifend auf alle mit der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa verbundenen Disziplinen und Themen. Dabei hat die wissenschaftliche Forschung sich in besonderer Weise international ausgerichtet und sich an den Methoden und Diskursen der Scientific community orientiert. Dementsprechend werden die hier geförderten Forschungen, Tagungen und Publikationen meist in internationalen Kooperationen mit Wissenschaftlern aus den östlichen Nachbarländern durchgeführt. Projektträger sind insbesondere Universitäten und andere wissenschaftliche Einrichtungen. Im Berichtszeitraum wurden unter anderem Forschungen in den Wissenschaftszweigen Geschichte, Kunstgeschichte, Literatur, Musik, Sprache und Volkskunde/Ethnologie finanziert. Akzente der Förderung lagen auf folgenden, exemplarisch anzuführenden Projekten:

8.1 Forschungen an Universitäten

Universitäre Forschungen sind in besonderer Weise dazu geeignet, den Umgang mit der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa auf eine wissenschaftlich solide Grundlage zu  stellen. Ein Schwerpunkt wird daher auf die Förderung von Forschungen, Tagungen und Publikationen an Universitäten in Deutschland gelegt. Damit soll auch das Interesse der allgemeinen Forschung an dieser Thematik angeregt werden. Durch Gewährung von Druckkostenzuschüssen konnte das Erscheinen einschlägiger Periodika und Buchreihen anerkannter wissenschaftlicher Institutionen gewährleistet werden, die somit im Wissenschaftsdiskurs präsent bleiben konnten.

Durch längerfristig ausgelegte Förderungen konnte auch die Musikwissenschaft unterstützt werden, unter anderem der Projektbereich „Deutsche Musikkultur im östlichen Europa" an der Universität Bonn zum Thema „Musikgeschichtsschreibung und Erinnerungskulturen" und das Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig mit dem Projekt „Migration und Biographie deutschsprachiger Musiker im östlichen Europa".

Im Rahmen des mehrjährigen interdisziplinären deutschpolnischen Kooperationsprojekts zum Thema „Adel in Schlesien - Herrschaft, Kultur, Selbstdarstellung" befassten sich deutsche, polnische und tschechische Historiker, Kunsthistoriker und Germanisten mit Aspekten der Adelsgeschichte dieser zentralen Region des östlichen Europas. Dabei wurde in einem Graduiertenkolleg ein besonderer Akzent auf die Förderung des akademischen Nachwuchses  gelegt. Dieses Projekt wird gemeinsam mit polnischen Universitäten gefördert.

Auch die Kultur und Geschichte der Aussiedler und Spätaussiedler wurde in mehreren Projekten thematisiert. Das Projekt „Die SED-Vertriebenenpolitik in der DDR 1949-1990" an der Freien Universität Berlin, Forschungsverbund SED-Staat, widmet sich einer in der DDR tabuisierten Problematik.

Im Bereich Literaturwissenschaft gefördert wurden vor allem die Edition literarischer Dokumente (z. B. der Tagebücher Margarete Hauptmanns, der Frau Gerhart Hauptmanns), die Erarbeitung literaturwissenschaftlicher Einzelforschungen (z. B. über die Identität der Rumäniendeutschen im Pressediskurs, über die Geschichte der deutschsprachigen Literatur im ehemaligen Jugoslawien) und die Durchführung von Tagungen (z. B. über regionale Literatur im südlichen Ostseeraum, über Alfred Döblin) sowie die Drucklegung von Monographien und Sammelbänden. Das mehrteilige Bibliographieprojekt „Deutschlernen im östlichen Europa" wurde mit einem Band über Russland und die baltischen Länder fortgesetzt.

Stiftungslehrstühle zu Aspekten der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa: Ein wichtiges Instrument zur akademischen Verankerung der in § 96 BVFG enthaltenen Thematik sind die vom Bund initiierten und anfänglich geförderten Stiftungslehrstühle im In- und Ausland. Diese Lehrstühle bilden eigene fachliche Zentren, sie wirken als Multiplikatoren, vermitteln die Thematik an Studenten und den akademischen Nachwuchs und tragen damit wesentlich zur Weiterentwicklung des Kenntnisstandes und der Beschäftigung mit den Fachfragen bei. Obwohl sich die an mehreren Universitäten in Deutschland eingerichteten Stiftungslehrstühle bewährt haben, ist deren Überführung in eine dauerhafte Landesfinanzierung nicht in allen Fällen gelungen. Verstetigt und damit 2007 und 2008 fortgeführt wurden - finanziert durch die jeweiligen Länder - die Lehrstühle an den Universitäten in Erfurt, Greifswald, Leipzig und Stuttgart.

Um die Auseinandersetzung mit der Thematik vor Ort zu intensivieren und die junge Generation in den östlichen Nachbarländern an sie heranzuführen, finanziert der Bund des Weiteren die Einrichtung von Stiftungslehrstühlen in den östlichen Nachbarländern. Die erste durch den Bund geförderte Stiftungsprofessur im Ausland - der Lehrstuhl für Deutsche Literatur in den böhmischen Ländern an der Palacle-Universität Olmütz/Olomouc, Tschechien - konnte nach Auslaufen der Bundesförderung 2007 von der Universität Olmütz übernommen werden. Den Schwerpunkt der Tätigkeit des Lehrstuhls bildet die deutschsprachige Literatur Mährens. Spezielle Themen in Forschung und Lehre sind unter anderem die deutsche und tschechische Grenzlandliteratur, die phantastische Literatur Böhmens und Mährens, das Bild des Tschechen in der deutschen Literatur sowie die Kulturgeschichte einzelner mährischer Städte.

In Rumänien und Ungarn trägt der Bund zwei weitere Stiftungslehrstühle, die nach einem Zeitraum von fünf Jahren von den jeweiligen Universitäten weitergeführt werden. Der Stiftungslehrstuhl für Deutsche Literatur im südöstlichen Mitteleuropa und ihre Verflechtungen und Wechselbeziehungen in multikulturellen Lebensräumen an der Philologischen Fakultät der Babeº-Bolyai-Universität in Klausenburg/Cluj (Rumänien) stellt die deutschsprachige Literatur im südöstlichen Mitteleuropa, ihre Berührungen und Austauschprozesse mit den übrigen Literaturen und Kulturen dieser Region in Forschung und Lehre dar und soll die grenzüberschreitende Kooperation überregional etablieren. Die Höhe der Projektförderung 2007 und 2008 betrug jeweils 35 000 Euro, in der fünfjährigen Stiftungsphase insgesamt rund 184 000 Euro. Seit dem Auslaufen der Stiftungsphase Ende 2008 führt die Babeº-Bolyai-Universität die Professur fort.

Die Stiftungsprofessur für Deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Nes (Fünfkirchen/Pécs, Ungarn), 2008 eingerichtet, soll die Geschichte und Kultur der Ungarndeutschen in ihren Wechselwirkungen mit der ungarischen, deutschen und europäischen Geschichte sowie der Geschichte anderer Minderheiten erforschen und sowohl historische als auch kulturwissenschaftliche Fragestellungen in ihren gegenseitigen Interferenzen einbeziehen. Die zeitliche Schwerpunktsetzung liegt in der Neuzeit und neuesten Zeit (Zeitgeschichte) unter Einbeziehung des Mittelalters bei epochenübergreifenden, vergleichenden Fragestellungen. Die Höhe der Projektförderung belief sich 2007 und 2008 auf rund 64 000 Euro jährlich. Insgesamt sind für den fünfjährigen Förderzeitraum etwa 322 000 Euro veranschlagt. Die Universität Pécs hat zugesagt, den Lehrstuhl nach Beendigung der Stiftungsphase im Jahr 2012 weiterzuführen.

8.2 Historische Kommissionen/Johann Gottfried-Herder-Forschungsrat

Neben den kontinuierlich geförderten sowie universitären Forschungseinrichtungen im Bereich des § 96 BVFG sind es freie, in der Regel vereinsrechtlich organisierte Zusammenschlüsse von Wissenschaftlern, die einen wichtigen Beitrag zur Erforschung dessen leisten, was die historische und gegenwärtige Rolle der Deutschen im östlichen Europa sowie die Bedeutung des östlichen Europas für die deutsche Geschichte ausmacht.

Dazu zählt der Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat mit zur Zeit sechs Fachkommissionen (Musikkultur, Religions- und Kirchengeschichte, Sprache und Literatur, Volkskunde, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Zeitgeschichte). Der Herder-Forschungsrat ist in seiner Zielsetzung interdisziplinär und großregional auf Ostmitteleuropa orientiert. Hinzu kommen sieben Historische Kommissionen (Baltische Historische Kommission, Historische Kommission für die böhmischen Länder, Historische Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen, Historische Kommission für Pommern, Historische Kommission für Schlesien, Südostdeutsche Historische Kommission), deren Arbeit regionalhistorisch verankert und daher kleingliedriger ausgerichtet ist.

Im Herder-Forschungsrat und in den Historischen Kornmissionen generieren und veröffentlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen in Tagungen, Projekten und Publikationen mit Hilfe von Projektmitteln Erkenntnisse, die sowohl für die Pflege des deutschen kulturellen Erbes als auch für das Verstehen der deutsch-ostmitteleuropäischen Nachbarschaft von Bedeutung sind. Dadurch beteiligen sie sich an den methodischen Debatten ihrer Disziplinen und sind ebenfalls in die internationalen Diskurse eingebunden. Schon seit Längerem befmden sie sich im Dialog mit den Fachdisziplinen der Länder des östlichen Europas, deren Regionen im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen. Die so entstehende Interessengemeinschaft der Regionalforschung in Deutschland und in den östlichen Nachbarstaaten gewinnt dadurch eine genuin europäische, internationale wie transnationale Tiefendimension. Seit einigen Jahren machen sich der Generationswandel und auch die zunehmende Internationalisierung der Mitgliederstruktur zunehmend bemerkbar. Die vielen Tagungen, Projekte und Veröffentlichungen der diversen Organisationen werden bislang nicht statistisch erfasst, nur kommunikativ koordiniert und aus gutem Grund nicht zentral gesteuert.

Ausgewählte Einzelprojekte: Eines außerordentlich wichtigen geschichtsdidaktischen Themas nahm sich die Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen an, als sie auf ihrer Tagung 2007 der Frage nachging, wie der Gegenstand ihres wissenschaftlichen Interesses in den hierfür relevanten polnischen und deutschen Museen visualisiert wird. So modern und offen sich die Museen oft zeigen, so schwer tun sie sich doch gelegentlich mit der Öffnung der Ausstellungskonzepte für vergessene, ungewohnte, „fremde" Perspektiven. Die Historische Kommission für die böhmischen Länder legte 2008 die Ergebnisse einer Tagung vor, in der sie einen kritischen und aufschlussreichen Blick auf die „sudetendeutsche Geschichtsschreibung" zwischen 1918 und 1960 richtete. Die (selbst)kritische Reflexion verbreiteter Geschichtsbilder und historiographischer Traditionen ist eine wichtige Aufgabe nationaler und internationaler Fachgesellschaften. Die gesellschaftliche Relevanz der Geschichtsschreibung beschäftigte auch die Baltische Historische Kommission, als sie sich 2008 mit der Geschichtsschreibung im mittelalterlichen Livland befasste; die Kommission legt in drei Reihen immer wieder neue Veröffentlichungen zur Geschichte und Gegenwart der baltischen Länder und des deutschbaltischen Erbes vor. Mit einem interdisziplinären Ansatz ging der Herder-Forschungsrat 2007 und 2008 Prozessen einer „Europäisierung von unten" in Ostmitteleuropa nach. Die jeweilige nationale Geschichte als Teil einer europäischen Geschichte zu begreifen, muss immer wieder erprobt und erlernt werden. Es liegt diesem Prozess ein wichtiger Wert, aber keine Zwangsläufigkeit zugrunde.

9 Sicherung und Erhaltung deutscher Bauund Kulturdenkmale im östlichen Europa

Im Berichtszeitraum wurden für Projekte in Lettland, Polen, Rumänien, Russland, der Slowakei und Tschechien insgesamt 867 000 Euro (2007: 407 000 Euro, 2008: 460 000 Euro) zur Verfügung gestellt.

Bei diesem speziellen Bereich der Fördertätigkeit des Bundes werden die Fördermittel gezielt dafür eingesetzt, historisch bedeutsame deutsche Bau- und Kulturdenkmäler im östlichen Europa vor dem Verfall zu bewahren. Die Projektinitiativen gingen mehrfach von landsmannschaftlichen Vereinigungen aus, die sich mit den heutigen Bewohnern für die Erhaltung oder Restaurierung eines bestimmten Objekts engagieren. Beispiele hierfür sind die von der Karpatendeutschen Landsmannschaft Slowakei initiierte Restaurierung der Orgel der St. Jakobuskirche in Schmiedshau/Tuiina (Slowakei), die vom Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde e. V. beantragte Restaurierung der „Pestsäule" (Dreifaltigkeitssäule) in Reichstadt/Zäkupy (Tschechien) oder die vom Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat angeregte Notsicherung der brandgeschädigten Stadtpfarrkirche in Bistritz (Rumänien). Des Weiteren ist die Freilegung mittelalterlicher Strukturen und Malereireste im Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserklosters Heinrichau/Henryków in Niederschlesien erwähnenswert; für die Maßnahme engagierte sich die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (Görlitz).

Alle Förderprojekte werden stets in Kooperation mit örtlichen Initiativen und Institutionen, mit den heutigen Eigentümern und den örtlichen Denkmalpflegebehörden realisiert. Damit tragen sie maßgeblich zum fachlichen Austausch, zur Verständigung und zur positiven Auseinandersetzung der heutigen Bevölkerung mit dem kulturellen Erbe der früheren deutschen Bewohner bei. Diese geteilte Verantwortlichkeit hat zugleich eine identitätsstiftende Wirkung mit nachhaltigen Impulsen für die aktuelle Nutzung des kulturellen Erbes.

10 Verständigungspolitische Arbeit der Vertriebenen

Vom Bundesministerium des Innern wurden für die verständigungspolitische Arbeit der Vertriebenen 2007 rund 800 000 Euro und 2008 ca. 847 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Grundlage der Förderung ist der mehrfach zum Ausdruck gekommene Wille des Deutschen Bundestages, die deutschen Heimatvertriebenen in das Werk der europäischen Aussöhnung und Verständigung einzubeziehen. So hat er in der am 28. Februar 1997 nahezu einstimmig angenommenen interfraktionellen Entschließung (Bundestagsdrucksache 13/04912) anerkannt, dass viele Heimatvertriebene zu „Botschaftern der Aussöhnung und Verständigung geworden sind", und bekräftigt, er werde „Heimatvertriebene und deren Verbände, die diesem Geist verpflichtet sind, bei diesen Bemühungen weiterhin unterstützen".

In diesem Zusammenhang werden Maßnahmen der Vertriebenen mit zeitgeschichtlichem und politischem Inhalt unterstützt. Dies sind vor allem Projekte, die der Verständigung und Aussöhnung sowie der Zusammenarbeit zwischen den deutschen Heimatvertriebenen und den Völkern Ostmit- tel-, Ost- und Südosteuropas dienen, sofern sie geeignet erscheinen, das friedliche Miteinander mit unseren östlichen Nachbarn und die europäische Einigung zu fördern.

Als Antragsteller kommen Vereinigungen und Einrichtungen der deutschen Heimatvertriebenen sowie diesen verbundene Träger in Betracht. Ihre Projekte können sowohl im Inland als auch in denjenigen Staaten stattfinden, in denen die ehemaligen Vertreibungsgebiete liegen.

Das Spektrum der im Berichtszeitraum geförderten 166 Projekte (2007: 80 Projekte; 2008: 86 Projekte) umfasste Themen aus dem gesamten mittel- und osteuropäischen Raum.

Gefördert wurden beispielsweise

- Studienaufenthalte für Gruppen polnischer oder tschechischer Germanistik- und Geschichtsstudenten;
- Arbeits- und Informationstagungen namhafter sudetendeutscher Vereinigungen und Aktionsgruppen unter tschechischer Beteiligung;
- politische Weiterbildungswochen,
- Seminare und Fachtagungen zur Osterweiterung der Europäischen Union unter Beteiligung deutscher Vertriebener, der deutschen Minderheit in den ehemaligen Vertreibungsgebieten und der Mehrheitsbevölkerung.

2007 und 2008 gingen deutlich mehr Projektanträge ein, als Fördermittel zur Verfügung standen.

11 Ausblick

Der vorstehende Bericht zeigt, wie effektiv und nachhaltig die vom Bund bereit gestellten Mittel in diesem Bereich der Kulturförderung eingesetzt werden konnten. Ermöglicht wird dies durch die Vielfalt der hier tätigen Akteure und Einrichtungen und ihre gute Vernetzung. Hervorzuheben ist nicht nur die gegenseitige Befruchtung von Wissenschaft und Forschung auf der einen sowie kultureller Bildungsarbeit auf der anderen Seite. Auch das Ineinandergreifen von nationaler kultureller Identitätsbildung,  grenzüberschreitendem Dialog und dem Heranreifen eines gemeinsamen europäischen Bewusstseins prägt diesen Bereich in herausragender und zukunftsgerichteter Weise. Erinnerung und Zukunft sind hier in einer ganz konkreten und lebendigen Bedeutung miteinander verknüpft. Die fast 1 000 Jahre urnfassende geschichtliche Zeitspanne, auf den sich die Kulturförderung nach § 96 BVFG bezieht, kannte gute Epochen des fruchtbaren Austauschs und der friedlichen Begegnung. Dies wurde durch die Ereignisse des 20. Jahrhunderts, in dem Diktaturen, Vernichtungskriege und Vertreibungen zu schweren Verwerfungen vor allem mit unseren östlichen Nachbarvölkern geführt haben, überlagert. Umso erfreulicher ist es, dass dieser Bericht anhand zahlreicher aussagekräftiger Beispiele aus den Jahren 2007 und 2008 belegt, dass inzwischen - national und grenzüberschreitend - die gemeinschaftliche Pflege der kulturellen Überlieferungen immer mehr zur Normalität wird. Die Besinnung auf die gemeinsamen oder aufeinander bezogenen kulturellen Wurzeln ist dabei genauso möglich wie Zusammenarbeit und Austausch bei den sensiblen und schmerzhaften Themen der Vergangenheit. Diese positive Bilanz der Förderung, die der Bund im Zusammenwirken mit den Ländern entfaltet, muss weiterentwickelt und ausgeweitet werden. Dazu bedarf es der staatlichen Förderung und Unterstützung. Der Bund wird auch künftig dafür Sorge tragen, dass die Erinnerung an die Kulturgeschichte der Deutschen im östlichen Europa im Geist der Zusammenarbeit und der Versöhnung fortgeschrieben werden kann und dadurch zu einem Baustein eines kulturell selbstbewussten Deutschlands und des gemeinsamen Europas wird.